Informationen zum “Ärzteparadies Frankreich”

 Für Kollegen  in Deutschland:  eine Alternative

Für alle: Ideen zu einer Reform des Gesundheitswesens

 Ist etwas wichtiger als Freunde (pps) ?!?  Quoi de plus important que l’amitié (pps) ?!?

Die Zusammenarbeit mit Krankenschwestern ist eine wichtige Sache!

In Frankreich gibt es keine Pflegedienste und Sozialstationen im deutschen Sinne - aber viele freiberuflich niedergelassene Krankenschwestern, die so wie die Ärzte auch ein “Cabinet”, eine Praxis aufmachen, in dem sie dann alleine oder meist mit einigen Kolleginnen zusammen tätig werden.

Da diese Infirmières en libéral oder “IDE” für den Beruf als ”Allgemeinmediziner in eigener Praxis” sehr wichtig sind, gebe ich auf dieser Seite einige Informationen über sie. Über ihre Kolleginnen im Krankenhaus findet sich auf der Seite Krankenhauspersonal mehr.

Vielleicht das wichtigste oder jedenfalls das für Ärzte wie Krankenschwestern interessanteste zuerst: Die Kompetenzen - fachlich, aber vor allem juristisch - einer niedergelassenen Krankenschwester sind in Frankreich erheblich größer als in Deutschland:

Niedergelassene Krankenschwestern dürfen selber auf Rezept VERSCHREIBEN (und die Krankenkasse zahlt):
-Material für die Wundversorgung: Verbände, Kompressen, Klebeband, Wattebäuschchen und -stäbchen, was man eben so braucht (lediglich “flüssige” oder “halbflüssige” Produkte sind ausgenommen - darunter fallen Salben und Gele für die Wundversorgung, etwa Iodsalbe, Salben zur Wundheilung, Desinfektionsmittel ... das bleibt dem Arzt vorbehalten und das ist auch sicherlich besser so).
-Material für die Versorgung bei Inkontinenz: Urinflaschen und -taschen, Harnsonden, Material für die Versorgung von Stomieträgern (Patienten mit künstlichen Darmausgängen):  die entsprechenden Stomabeutel und alles dazugehörige Material wie Stomaringe oder absorbierende Filter.
-Material für Infusionen: den Perfusor, die dazugehörigen Schläuche und Nadeln oder entsprechende vorgefertigte Sets.
-Material zur Dekubitusprophylaxe: Gelkissen, formbare Schaumstoffkissen, Spezialmatratzen, ... und eine ganze Reihe von Spezialverbänden auf - beispielsweise - Hydrokolloid-, Hydrocellulose-, Aktivkohle- oder  Vaselingrundlage.
-Sonden für die enterale Ernährung pernasal oder per Magenstomie.
-Material für die Heparininjektion (Spritzen und Nadeln, sofern nicht Fertigpräparate vom Arzt verschrieben wurden; wohlgemerkt, nur das Material für die Injektion, nicht das Medikament selber), das betrifft die wenigen Patienten, die Heparin per Perfusor als Dauerinfusion erhalten.

Moderne französische Krankenpflegepraxis

Krankenschwestern dürfen sogar in einigen - wenigen - Bereichen ärztliche Rezepte erneuern - d.h. ein Rezept, das ein Arzt ausgestellt hat, für 3 oder 6 Monate ist da die übliche Dauer, darf eine Krankenschwester erneuern “renouveler” oder “verlängern”:
-Material für Diabetiker: Lancetten, Blutglucosesticks, Spritzen und Nadeln zur Insulinjektion (wohlgemerkt: nur das Material zur Injektion von Insulin bzw. der Bestimmung des Blutzuckerspiegels - in keinem Falle Insulin oder ein anderes Medikament. Auch die Dosisanpassung darf die IDE nur nach einem vom Arzt verschriebenen Protokoll vornehmen).

Es gibt eine einzige Medikamentenklasse, für die eine Krankenschwester das Rezept erneuern kann: orale Kontrazeptiva. Eine Frau die bereits ein entsprechendes Präparat erhält - üblicherweise verschreibt es ihr Hausarzt oder ihr Gynäkologe für 6 bis 12 Monate - kann einmal dieses Rezept(d.h. genau dieses Präparat und kein anderes) für längstens 6 Monate von einer Krankenschwester erneut verschrieben bekommen.

Das wertet den Beruf der Krankenschwester auf - und hilft, teure(re) und knappe(re) Arztzeit einzusparen. Und ist damit auch für das Gesundheitswesen insgesamt von Vorteil. (Es gibt in Frankreich keine Pflegedienste im deutschen Sinne; eine Krankenschwester lässt sich alleine oder - normalerweise - mit einigen Kolleginnen in freier Praxis nieder, wie ein Arzt auch, und hat dann ihre eigenen Patienten, ihre Präsenzzeiten in der Praxis und so weiter; allerdings ist über 90% ihrer Arbeit in der Wohnung des jeweiligen Patienten - eben Behandlungs- und Grundpflege bei meist älteren pflegebedürftigen Menschen.

Cécile, (niedergelassene) Krankenschwester in der Häuslichen Pflege:
Ein Kurzbericht der Tageszeitung “La Croix”.

 

 

Ein wichtiger Punkt: die bescheidene Entlohnung und die langen bzw. ungünstigen Arbeitszeiten. Grundsätzlich rechnet die Krankenschwester genauso mit den Patienten direkt ab, wie es Ärzte auch tun - und alle anderen Heil- und Heilhilfsberufe auch, sofern sie mit der staatlichen Krankenkasse CPAM einen kollektiven (Tarif-)Vertrag “Convention” haben (ein wichtiger Unterschied zu Deutschland: Psychologische Psychotherapeuten sind zwar seit 2013 eine staatlich geschützte Berufsbezeichnung - vorher konnte sich jeder als “Psychotherapeut” bezeichnen, der wollte - aber die Therapien werden NICHT von der Kasse erstattet, mangels Convention).

Für “Actes techniques” - “technische Maßnahmen” - gibt es je nach Art des Acte ein vielfaches des Grundtarifes ”AMI” von derzeit 3.15 Euro. Eine venöse Blutabnahme etwa zählt 1.5 * AIM also 4.73 Euro.  Ein Darmeinlauf “bringt” 3*AIM. Für denWechsel eines Harnblasendauerkatheters gibt es bei einer Frau 3* AMI, bei einem Mann 4* AMI. Für die Entfernung von mehr als 10 Knoten einer Wundnaht gibt es 4*AIM.   Ein Aderlass zählt sogar 5 AMI also 15.75 Euro.

Für “Actes de soins” - “Pflegemaßnahmen” -  gibt es entsprechend ein Vielfaches des Grundtarifes “AIS” = 2.65 Euro.

Bei einer der seltenen Tariferhöhungen wird jeweils der Grundbetrag AMI oder AIS erhöht, so werden die konkreten Tarife automatisch angehoben und bleiben im selben Verhältnis.

Falls die jeweiligen Maßnahmen in der Wohnung des Patienten durchgeführt werden, bekommt die Krankenschwester zusätzlich eine Pauschale “Majoration de déplacement” MD von 2.50 Euro UND pro gefahrenen Kilometer in der Ebene 0.35 Euro, im Gebirge 0.50 Euro und wenn sie per Ski anfahren muss sogar 3.40 Euro. Wo Gebirge und wo Ebene ist, bestimmt die Krankenkasse, und der Skitarif gilt insbesondere für einige spezielle Wintersportorte, zu denen keine Straßen führen. (Die entsprechenden Tarife sind für Ärzte MD = 10.- Euro, pro Kilometer in der Ebene 0.61 Euro, im Gebirge 0.91 Euro und auf Ski 4.57 Euro. Die ersten beiden Kilometer zählen nicht, die Tarife wurden seit 20 Jahren nicht mehr angehoben). Außerdem werden nur die Kilometer gerechnet, die die geographisch dem Patienten nächstgelegene Krankenschwester berechnen könnte - bei Ärzten ist das nicht so, da wird von der jeweiligen Praxis aus gerechnet.

An Sonn- und Feiertagen bekommt die Krankenschwester 8.- Euro zusätzlich, zwischen 20:00 und 23:00 und 5:00 und 8:00 9.15 Euro zusätzlich und zwischen 23:00 und 5:00 sogar 18.30 Euro zusätzlich - es kommt aber naturgemäß fast nie vor, dass eine Krankenschwester nach 23:00 noch zu einem Patienten kommen muss.

Eine niedergelassene Krankenschwester kann besonders dann recht gut  leben, wenn sie vor allem Blutabnahmen macht, Medikamente stellt oder Injektionen gibt - sofern sie die Patienten in ihr Cabinet kommen lassen kann bzw. sie bei Hausbesuchen nicht zu weite Wege von einem Haus zum anderen hat. Eigentliche Pflege von Liegendkranken ist rasch recht unrentabel. Man darf nicht vergessen, dass von den Bruttoeinnahmen etwa die Hälfte für Sozialabgaben, Steuern und allgemeine Unkosten abgeht. Die Folge ist, dass es  schwer ist, Krankenschwestern für häusliche Pflege zu gewinnen. Außerdem herrscht in Frankreich ohnehin Krankenschwesternmangel, da zu wenige ausgebildet werden - man lässt beispielsweise spanische IDE nach Frankreich kommen, die Krankenhäuser stellen sie direkt in ihrem Heimatland an und organisieren Reise, Sprachkurs und Wohnung. In Krankenhäusern verdient es sich allerdings deutlich weniger - eine Krankenschwester beginnt in einem staatlichen Krankenhaus mit netto nach Sozialabgaben aber vor der Einkommenssteuer 1400.- Euro; die Einkommenssteuer macht etwa 10% aus, grundsätzlich (eine mehrköpfige Familie zahlt durch entsprechende Freibeträge meist gar keine Einkommenssteuer). In einem privaten Krankenhaus beginnt man mit 1600.- Euro netto vor der Einkommensteuer, die wie gesagt bei etwa 10% liegt, netto-netto bleiben also 1450.- Euro (sofern nicht, wie gesagt, Kinder durch entsprechende Freibeträge die Einkommenssteuer auf Null reduzieren). Pro Berufsjahr mag es eine Erhöhung des Gehaltes um -21% geben (zusätzlich zur Inflationsanpassung über die Tarifverträge), so dass nach 25 Berufsjahren eine Krankenschwester im staatlichen Krankenhaus auf 1700.- Euro kommt, vor dem Ruhestand dann 2200.- Euro, bis 2500, wenn sie Leitungsaufgaben übernimmt - wenn sie in einem privaten Krankenhaus arbeitet und/oder viele oder ausschließlich Nachtdienste macht, können es dann erheblichmehr werden: bis 2500.- Euro (wieder netto vor der Einkommenssteuer). Der Unterschied in der Honorierung zwischen privaten und staatlichen Krankenhäusern hat seine Begründung im unterschiedlichen - besseren - Status des Pflegepersonals in staatlichen Krankenhäusern: es ist verbeamtet, mit allen Vorteilen, die auch in Deutschland der Beamtenstatus bringt - Unkündbarkeit, Arbeitszeitverkürzung, niedrigeres Rentenalter - und mit einigen Vorteilen, die es in Deutschland nicht für Beamte gibt, an erster Stelle: Streikrecht. Dass Beamte in Frankreich Streikrecht haben hat seinen Grund in  der Macht der Gewerkschaften, aber eine gewisse innere Berechtigung, weil nicht zwischen Angestellten im Öffentlichen Dienst - Gärtner oder Hausmeister bei der Kommune, oder eben Pflegepersonal in einem Krankenhaus, das einen öffentlichen Träger hat - und Beamten unterschieden wird, die dort eingesetzt werden, wo eine besondere Treuepflicht zum Arbeitgeber Bundesrepublik Deutschland erforderlich ist - Polizei, Ministerien, Gerichte, Behörden - oder jedenfalls wünschenswert wäre (Lehrer).
Eine niedergelassene Krankenschwester bringt es dagegen leicht auf 5000.- Euro brutto. Wohlgemerkt, brutto, allerdings lassen sich brutto-Angestelltengehälter und brutto Freiberuflereinnahmen nicht vergleichen, da der Freiberufler einerseits hörere Abgaben zahlt, andererseits erheblich bessere Möglichkeiten hat, Kosten, die auch ein angestellter Krankenpfleger hat, von seinen Einnahmen abzusetzen, z.B. Kilometerpauschalen, Fortbildungskosten (Abonnements von Fachzeitschriften...) oder Mieten, auch für doppelt genutzte Räume im der Art ein Arbeitszimmer im - sowieso vorhandenen - Wohnhaus. In meinem Beruf rechne ich als Faustregel, dass 1 Euro brutto mit 50 Cent netto bringt, das wird bei anderen Freiberuflern wie Krankenschwestern ähnlich sein.

Teilweise können Krankenpflegehelferinnen (Aide-soignante ASH) die Lücke schließen, indem sie namentlich Aufgaben der Grundpflege übernehmen (in Krankenhaus und Altenheim sind die Arbeitsbereiche ohnehin streng getrennt: die ASH macht die Patiententoilette, Hilfe beim Essen etc., die Krankenschwester dagegen Verbände, Injektionen, Blutabnahmen, Infusionen, Medikamentenvorbereitung und -gabe etc. sowie die Visite).
ASH können sich nicht selbstständig niederlassen, sondern nur in einer Gemeinschaftspraxis mit einer Krankenschwester - das begrenzt diese Ausweichmöglichkeit.

Ein  Problem ist auch das Komfortdenken der Patienten. Sie finden es normal, dass die Krankenschwester für eine Blutabnahme oder Schutzimpfung zu ihnen nach Hause kommt. Und danach gehen sie dann zum Markt einkaufen - wie oft berichten niedergelassene Krankenschwestern so etwas.  Viele IDE haben Präsenszeiten in ihrem Cabinet, zu denen die Leute kommen können und soll(t)en - eine Blutabnahme im Cabinet dauert keine 5 Minuten, ein Hausbesuch mit Anfahrt etc. mindestens 20, und das für einen Unterschied von um die 4 Euro.

Wichtig ist auch, dass die Krankenschwester sehr viele ältere und chronisch Kranke oft über Jahre intensiv betreut. Ehe jemand ins Seniorenheim geht, versucht man ja alles, um ihn noch möglichst lange zu Hause belassen zu können, und dazu gehört auch meist tägliche Medikamentengabe, Blutdruckmessung, Verbandwechsel (Stichwort: Ulcus cruris), Insulinspritzen und Blutzuckermessung, Hilfe beim Waschen ... auch Samstag und Sonntag; jeden Tag kommt die Arbeitsbiene IDE vorbei. Sie kennt den Patienten viel besser als der Arzt es kann und die Kommunikation mit ihr ist wichtig. Oft gibt es dafür ein eigenes Heft, das beim Patienten ausliegt. Man sollte sich auch klarmachen, dass sie einen engen Zeitplan hat - weniger wegen Überarbeitung, sondern weil zu bestimmten Zeiten eben alle Leute gleichzeitig eine IDE benötigen - morgens beim Aufstehen, eventuell mittags und abends. Da sollte man es ihr leicht machen und sie nicht aufhalten, indem man sie z.B. durch unleserliche oder zu spät ausgestellte Rezepte zum Nachfragen zwingt. Da die IDE ja schlecht entlohnt wird, kann sie es sich auch nicht erlauben, ihr Material selber einzubringen, z.B. beim Verbandwechsel: es ist also alles zu verschreiben, was die IDE nicht selber verschreiben kann:  jede Dosis Sérum phy, jedes Fläschchen Bétadine Jodlösung. Bei vielen Patienten kommt die Krankenschwester wie gesagt täglich, zum Waschen, zur Gabe der Medikamente, und viele Patienten sind auf sie angewiesen - oft sogar mehrmals täglich. Ihr Arbeitstag ist darum lang - aber mit unvermeidlichen Pausen. Eine IDE kann nur einen Ruhetag einlegen oder in Urlaub gehen, wenn eine andere IDE an ihrer Stelle kommt. Deswegen sind Krankenschwestern meist in Gemeinschaftspraxen, wo sie sich gegenseitig vertreten - oder haben mehrere ständige “regelmäßige”Vertreter, 4 -5  Tage die Inhaberin der Praxis, 2 - 3 Tage die Vertrerin ist ein minimaler Rhythmus. Das funktioniert genauso wie die Vertretungen bei Allgemeinmedizinern.

Wenn Sie eine Handlung verschreiben, die jeden Tag zu machen ist, z.B. täglich Verbandswechsel oder täglich BZ-Bestimmung und entsprechende Insulingabe (aus juristischen Gründen - nicht weil die IDE das nicht wüsste - ist ein entsprechendes Protokoll zu verschreiben: si glycémie >1.5 g/l + 2 U.I. insuline si glycémie 1 - 1.5 g/l même dose d’insuline, si glycémie < 1 g/l - 2 U.I. insuline), so muss dies gesondert notiert werden:
“Faire faire .... par une IDE à domicile tous les jours de la semaine les dimanches et jours fériés inclus”. Wenn nicht ausdrücklich steht “auch Sonn- und Feiertage”, zahlt die Kasse für diese nicht.

Ansonsten kann man bei den Rezepten frei formulieren - man soll zwar möglichst präzise sein, z.B. genau angeben, was im einzelnen bei Wundtoilette und Verbandwechsel zu geschehen hat ... macht aber leider kein Mensch “ ...soins de plaie et changement de pansement tous les 2 jours”, das ist üblicherweise alles.

Niedergelassene Krankenschwester in eigener Praxis: Beruf oder Berufung?
Ein (französischer) Kurz-Dokumentarfilm

 

 

Generell tut man gut daran, gerade als Praxisvertreter die Empfehlungen einer Krankenschwester zu befolgen (die meist höflich bescheiden in Frageform formuliert werden, man sollte hierfür sensibel sein). Jedenfalls als Anfänger - bis man sich z.B. in die verschiedenen Verbandstypen und Pflegearten für chronische Wunden eingearbeitet hat und sich firm genug fühlt, der IDE gegebenenfalls eine bessere Methode vorzuschlagen. Das ändert nichts daran, dass man aufeinander angewiesen ist und eine IDE auch eine gute Quelle für “Feedback” ist. Wer in einer Praxis vertritt, die unter einem Dach mit der einer Krankenschwester ist und die also dieselben Patienten sieht, sollte nie versäumen, sie auszuhorchen, ob die Patienten zufrieden sind. Man erhält nur sehr wenig Rückmeldungen, dabei sind diese wirklich Gold wert, wenn man auf eigene Fehler aufmerksam gemacht wird.

Wie kommt es, dass Krankenschwestern in Frankreich mehr Kompetenzen als in Deutschland haben? Es hat vielleicht mit dem Ausbildungssystem zu tun. Die Ausbildung zur Krankenschwester ist in Frankreich stärker “verschult” als in Deutschland. Es ist kein Lehrberuf, für den der Realschulabschluss genügt, sondern das französische “Bac” (“Abitur”) ist erforderlich - das allerdings weniger “Wert” ist als das deutsche, da über 80% eines Jahrganges legen es ab, das ist seit Jahrzehnten politisch so gewollt und entsprechend wurden und werden die Anforderungen immer weiter heruntergeschraubt. Folgerichtig genügt es nicht mehr als Hochschulzugangsberechtigung, sondern die meisten Studiengänge haben noch eigene Auswahlverfahren zu Beginn oder nach dem ersten Studienjahr, so auch im Medizinstudium mehr. Für den Beruf der Krankenschwester gibt es zusätzlich zum “Bac” einen “Concours d’entrée” “Auswahlverfahren” für die École d’infirmière, landesweit, nur die Besten erhalten die wenigen Plätze. Dafür kann man sich in wiederum eigenen Schulen ein Jahr vorbereiten. Die Ausbildung dauert dann wie in Deutschland 3 Jahre und hat vielleicht ein etwas höheres fachliches Niveau - auf jeden Falle aber mehr theoretische Anteile. Und die Schülerinnen werden nicht bezahlt - sie arbeiten natürlich auch im Wechsel mit der Schule auf Station, aber eben gratis, oder seit ganz neuererZeit für  ein buchstäbliches Taschengeld, 50 Euro und gratis Essen in der Krankenhauskantine. Aber dieses Auswahlverfahren und die Art der Ausbildung mag doch noch zusätzlich eine bessere Vorqualifikation sicherstellen - ich möchte auf deutsche Krankenschwestern nicht abwertend oder beleidigend wirken, darum bin ich an dieser Stelle vorsichtig. Eine Krankenpflegeausbildung hat auch in Frankreich keinen akademischen Status und es gibt sicherlich weniger Ansätze zur Akademisierung der Pflege als in Deutschland. Eine Spezialausbildung zur Altenpflegerin gibt es gar nicht (eine Krankenschwester kann direkt nach der Ausbildung in einem Seniorenheim tätig werden, wo sie dann sofort an der Spitze der hauseigenen “medizinischen Hierarchie” steht), und eine Spezialausbildung zur Psychiatrie-Krankenschwester wurde abgeschafft.

  Die einzige Topgeigerin der Welt, die auch Olympiateilnehmerin ist: Vanessa Mae
 

 

 

Verbreitete Fachzeitschrift zur Fortbildung einer niedergelassenen Krankenschwester

  Vanessa Mae I 3

 

 

Vanessa Mae H 1

Stargeigerin Vanessae Mae in concerto (oben) - und während ihrer Teilnahme unter der Flagge ihres Ursprungslandes Thailand an den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014. 

Vanessa Mae Sotchi A 1

 Vanessa Mae Sotchi B 1

 

 

 

Vanessa Mae B 1

Vanessae Mae während des Ski-Riesenslalom in Sotschi 2014. Sie ist die erste Frau in der Geschichte Thailands, die an Olympischen Winterspielen teilnahm.

Vanessa Mae C 1

 

 

 

Aus der Weltklassemusik in den Spitzensport: Vanessae Mae

Aus dem Spitzensport in die Topmusik: Yuna Kim.

 

 

 

 

Kim Yuna G 1
Yuna Kim
Goldmedaille im Eiskunstlauf auf den Olympischen Winterspielen Vancouver 2010.
Silbermedaille im Eiskunstlauf auf den Olympischen Winterspielen Sotschi 2014.
Eiskunstlauf-Weltmeisterin 2009 und 2013.

 

Hebammen (sages-femmes oder bei den 2% Männern in diesem Beruf le maieuticien) haben fachliche und vor allem juristische Kompetenzen, die noch einmal deutlich über die einer Krankenschwester hinausgehen.

Aufgabe der Hebamme ist die Überwachung der physiologisch verlaufenden Schwangerschaft und Geburt sowie der Postpartalzeit.  Sie hat das Recht, eine gynäkologisch-geburtshilfliche Sonographie eigenverantwortlich duchzuführen, einen Dammschnitt (Episiotomie) zu machen und schließlich unter der Geburt eigenverantwortlich eine Anästhesie der Patientin durch einen entsprechenden Facharzt zu veranlassen.

Eine freiberufliche Hebamme kann in ambulantem Kontext - also wenn die werdende oder junge Mutter noch oder wieder in ihrer Wohnung ist - eine ganze Reihe von Medikamenten eigenverantwortlich verordnen, zum Beispiel
-Folsäure- und andere orale Vitamin- und Mineralsalzpräparate
Im Rahmen der Therapie von häufigen Schwangerschaftsbeschwerden „Petits maux de la grossesse“
-Antiemetika
-gastrale Antacida bis zu Protonenpumpenblockern
-Antispasmodika
-Analgetika der Stufen 1, 2 und sogar 3 - d.h. bis 10mg Morphin zweimal täglich.
-Laxativa und proktologische Topika (Salben oder Zäpfchen mit pflanzlichen Inhaltsstoffen - aber auch auf Cortison- und Lidocainbasis).
Zur Therapie von lokalen (Zystitiden) oder zur Prävention von systemischen Infektionen kann sie lokale, orale und sogar parenterale Antiseptika bzw. Antibiotika verschreiben - einschließlich systemisch wirkende antivirale Medikamente (das betrifft vor allem Tamiflu bei Verdacht auf Grippeexposition einer Schwangeren). Einzige Einschränkung: eine Hebamme kann ein Rezept für dasselbe Medikament nicht verlängern „renouveler“ - bei einer hartnäckigeren Infektion schaut dann doch besser der Arzt die Patientin an.
Außerdem kann sie verschreiben:
-alle Arten und Formen von Kontrazeptiva  und sie darf ein Stérilet (Spirale) eigenverantwortlich legen
-Impfungen: DTPolio, Keuchhusten, Masern Mumps Röteln, Hepatitis B, Grippe, Typ-C-Meningokokkenimpfung insbesondere beim Neugeborenen

Dies spiegelt sich auch in ihrer Bezahlung wieder: Die Consultation bei einer Hebamme hat denselben Festpreis wie die bei einem Allgemeinmediziner: 25.- Euro (ab 1. 5. 2017). Für Hausbesuche erhält die Hebamme zusätzlich eine Majoration de déplacement MD von 4.- Euro (Ärzte 10.-) und gegebenenfalls eine - bescheidene - Kilometerpauschale. Im Krankenhaus liegt ihr Eingangsgehalt mit knapp 1800.- Euro netto nach Sozialabgaben aber vor Steuern (etwa 10%)  deutlich über dem einer Krankenschwester und kann mit zunehmender Berufsserfahrung bis auf 2700- 2800 Euro steigen. Eine freiberufliche Hebamme verdient netto im Durchschnitt 2300.- Euro - aber in diese Zahl geht nicht ein, dass Freiberuflerinnen oft nicht Vollzeit arbeiten, weil sie z.B. selber Kinder zu betreuen haben.

Eine Hebamme ist keine Ärztin, aber das erste Studienjahr absolviert sie gemeinsam mit angehenden Medizinstudenten mehr:  für etwa 1000 Plätze frankreichweit gibt es jährlich das 10- bis 15- fache an Kandidatinnen. Ihre anschließende lange Ausbildung von 4 Jahren in einer Hebammenschule „École de sages femmes“ macht sie sicherlich zum am besten qualifizierten Heilhilfsberuf, der in Grenzen auch spezifisch ärztliche Aufgaben in ihrem Gebiet übernehmen kann.