Informationen zum “Ärzteparadies Frankreich”

 Für Kollegen  in Deutschland:  eine Alternative

Für alle: Ideen zu einer Reform des Gesundheitswesens

 Ist etwas wichtiger als Freunde (pps) ?!?  Quoi de plus important que l’amitié (pps) ?!?

Für jede Praxisvertretung muss ein schriftlicher Vertrag zwischen dem niedergelassenen Kollegen und dessen Vertreter geschlossen werden, in 3 Ausfertigungen: je eine für jeden Vertragspartner, die dritte für die Ärztekammer, in deren Bereich der niedergelassene Kollege sich befindet.  Der Vertrag soll wenigstens etwa 14 Tage vor Beginn der Vertretung der Ärztekammer übermittelt werden. Verantwortlich dafür sind sowohl der niedergelassene Kollege als auch  der Vertreter - allerdings bekommt der Niedergelassene im Zweifel mehr Ärger, wenn der Vertrag nicht übermittelt wird (die Einheitskrankenkasse CPAM kann sich z.B. weigern, die Behandlungskosten übernehmen und dann ist zuerst der Niedergelassene ‘dran). Man sollte trotzdem  besser selber den Vertrag an die Ärztekammer schicken. Viele Ärztekammern, z.B. die des Unterelsass, halten auch Musterverträge bereit, in die nur noch die Namen einzusetzen sind (der Vertrag, der unten wiedergegeben ist, lehnt sich an diese an).

Allerdings sehen nicht alle Ärztekammern mit gleicher Strenge auf Abschluss und Eingang eines Vertrages, auch wenn die Rechtslage überall dieselbe ist!  Und der Fall, dass die CPAM sich weigert, den Patienten die Behandlungskosten zu erstatten, ist eher theoretisch (die Patienten bezahlen in bar, per Cheque oder Kreditkarte und erhalten eine Art Quittung = Feuille de soins, das sie der CPAM einreichen, die ihnen dann das Geld erstatte. Beziehungsweise dieses Feuille de soins wird mittlerweile üblicherweise elektronisch erstellt und an die Kasse gesandt, aber das Prinzip bleibt gleich). Ich habe einige Vertretungen in verschiedenen Départements in Innerfrankreich gemacht, wo mir die niedergelassenen Kollegen sagten, sie hätten noch nie etwas von schriftlichen Verträgen gehört. Bestenfalls wird ein Telefonanruf getätigt zwei Tage vor Beginn der Vertretung, fertig. Wenn ich einen Kollegen das erste Mal vertreten habe und besonders, wenn die Vertretung einige Zeit vorher vereinbart worden war und ich andere Angebote in der Folge ablehnte, habe ich aber immer um die Unterzeichnung eines Vertrages gebeten und auch immer einen bekommen. Wenn ich den Kollegen schon kannte, habe ich schon aus Gründen der Höflichkeit nicht darauf bestanden, ich  wollte ihm gegenüber nicht den Eindruck erwecken, ich traute ihm nicht: Fides fundamentum amicitiae (Vertrauen ist die Grundlage der Freundschaft). Da die Pflicht zur Übermittlung des Vertrages ganz eindeutig bei ihm liegt und nicht bei mir, habe ich juristisch nichts riskiert. Wenn man einen Kollegen ein Jahr meist  jede Woche Donnerstag und Samstag vertritt und immer am Monatsende rasch mündlich abspricht, wann man kommt, wird das Ausstellen und Unterzeichnen von Verträgen in 3 Ausfertigungen auch  rasch lästig

 
Echte Aufnahmen unseres Nachbarplaneten von der europäischen Raumsonde Mars-Express, die seit 2003 den Mars umkreist, photographiert und kartographiert.

Generell ist der Vertreter juristisch in einer günstigen Lage. Zwei Beispiele: für Kunstfehler haftet im Zweifelsfall  nicht er alleine, sondern auch der Niedergelassene - natürlich hat ein Vertreter  trotzdem eine Haftpflichtversicherung. Zweites Beispiel: Der Niedergelassene ist und bleibt verantwortlich für die Übernahme der Dienste. Das heißt, wenn der Vertreter während eines Nachtdienstes nicht erreichbar ist, kommt im schlimmsten Falle der Niedergelassene vor den Kadi.

Den Ärztekammern der Ostdépartements wird nachgesagt, strenger in den Formalia zu sein als der Rest Frankreichs.

Die Vertragsbedingungen sind teilweise durch den Code de Déontologie geregelt bzw. durch einfache Empfehlung der Ärztekammern vorgegeben.

Wichtige Frage ist natürlich die nach der Honorierung. Der Vertreter kassiert zunächst alle Honorare -die meisten Patienten zahlen in Innerfrankreich übrigens per Cheque- und erhält davon einen Prozentsatz "rétrocession" auf Französisch. Noch bis in den Anfang der 1990er Jahren bekam der Vertreter nur 50% aller Honorare. Seitdem haben sich die Zeiten geändert. Heute erhält man zwischen 60% und 80%, in Einzelfällen auch mehr. Überwiegend ist Rétrocession 70%. Mir scheint das ein fairer Handel - so hoch sind die Kosten für den Unterhalt einer Praxis (Miete, Strom, Wasser, Gas, Telephon und Reinmachefrau; in seltenen Fällen -fast nur in Gemeinschaftspraxen- eine Sekretärin) nun doch nicht.

Honorare während Nacht- und Wochenenddiensten erhält der Vertreter zu 100%, das ist vorgeschrieben. Anders lautende Vertragsklauseln sind nichtig. Nachtdienste beginnen um 20:00 und gehen bis 8:00, bzw. am Samstag beginnt der Bereitschaftsdienst um 12:00 und geht bis Montag 8:00, er kann beliebig aufgeteilt werden zwischen zwei oder mehr Kollegen (geschieht aber nicht oft). Die Pauschale, die die Krankenkasse für den Dienst an sich zahlt, geht auch an den Vertreter. Das sind 150.- Euro pro Nacht oder halbem Tag, für einen Samstag gibt es 100.- Euro. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Man erhält diese Dienstpauschale zusätzlich und unabhängig von der Patientenzahl. Die Patienten zahlen noch zusätzlich für die Konsultation - einen erhöhten Tarif, derzeit 51.50 Euro, nachts und im Hausbesuch mehr.

Wenn man dann eines Wochentages gegen 19:00 noch in der Sprechstunde sitzt, diesen Tag Nachtdienst hat und einen Anruf einer Mutter bekommt, Söhnchen habe Ohrschmerzen, ist es finanziell günstiger die beiden für 20:00 Uhr einzubestellen, da man dann das gesamte Honorar der Konsultation behalten kann - und obendrein den Nachttarif 1 (20:00 - 0:00 und 6:00 - 8:00) berechnen darf, derzeit 60.- Euro statt 25.- Euro, die die Konsultation am Tag bringt. Man hat also bei 70% rétrocession fast 4-mal so viel (4* 17.5 = 70.-  Euro).

Eine juristisch unsichere Frage ist die Garantierung eines Minimums. Man weiß nie genau, wie viele Patienten man zu Gesicht bekommen wird, schon gar nicht, wenn man eine Praxis noch nicht kennt. Da das allen Vertretern so geht, ist es üblich geworden, dass die Niedergelassenen ein Minimum garantieren, meistens den Gegenwert von 10 Konsultationen pro Tag, das sind 250.- €. Ich habe das immer in den Vertrag hineingeschrieben, obwohl es der Mustervertrag der Ärztekammer nicht vorsieht und bin damit immer durchgekommen. Juristisch kann man sich auf den Standpunkt stellen, das sei ein "salariat déguisé", ein "verstecktes Anstellungsverhältnis". Und für den Fall der Einstellung eines Beschäftigten gelten -wie in Deutschland- haufenweise juristische Regeln, die zu beachten wären. Tatsache ist, dass alle Niedergelassenen normalerweise in Minimum garantieren - das steht schon in den Anzeigen drin, die z.B. bei Media-Santé media-sante.com  einzusehen sind. Ich habe nur ein einziges Mal eine Vertretung ohne Minimum angenommen und es prompt finanziell  bereuen müssen. Übrigens ist die Berechnung der Honorare bei einem garantierten Minimum nicht trivial: Erhält man "70% au-dessus du minimum de 10 C par jour" (70% der Einnahmen, die das Minimum von 10 Consultationen pro Tag überschreiten) oder erhält man "rétrocession 70%, minimum garanti 10 C par jour" (70% der Gesamteinahmen, mindestens 10 Konsultationen pro Tag)? Das unterscheidet sich im allgemeinen um einige 100 Euro pro Woche. Ich habe immer das genommen, was man mir angeboten hat - in einigen Fällen habe ich wirklich 10 C pro Tag plus 60% vom Rest bekommen. Im Allgemeinen werden die Gesamteinnahmen addiert und dann geschaut ob sie dem garantierten Gesamtminimum entsprechen. Eine Kollegin aber hat tatsächlich auf eigene Faust für jeden Tag einzeln abgerechnet: Montag und Dienstag hatte ich das Minimum überschritten, gut, also 70%, am Mittwoch hatte ich es nicht erreicht, also das Minimum für diesen Tag und so weiter. Es kam ein hübsches Sümmchen zusammen. Nebenbei bemerkt, ich war der erste Vertreter, den sie seit 20 Jahren für länger als einen Tag gehabt hatte und in den 20 Tagen seit ihrer Niederlassung hatte sie nie länger als ein Wochenende Urlaub gemacht, was also eine erneute Vertretung bei ihr recht unwahrscheinlich machte.

Im Vertrag steht immer, dass man sich als Vertreter gut benehmen und Mobiliar wie Patienten pfleglich behandeln soll.

Die Nicht-Konkurrenz-Klausel ist wichtig. Wer innerhalb von 2 Jahren einen Kollegen mehr als 3 Monate vertreten hat -ob am Stück oder nicht-, darf sich eine bestimmte Zeit gegen dessen Willen nicht in einem bestimmten Radius um die Praxis selber niederlassen, aus einsehbaren Gründen. Die Zeit und der Radius sind nicht genau festgelegt, in den Musterverträgen aber recht großzügig gerechnet.

Die Erstellung eines Mustervertrages für den Eigenbedarf, den ich nachfolgend wiedergebe, war nicht einfach. Ich musste mich möglichst gründlich mit der Rechtslage vertraut machen und habe mehrere Arbeitstage Vollzeit an dem Vertrag gearbeitet. Das schwierige an Aufgaben dieses Types “möglichst gründlich ist, dass man nicht so ohne weiteres weiß, wann man fertig ist, da man ja immer noch mehr lesen und nachforschen kann. Dann habe ich ihn noch einem französischen Bekannten gegeben zwecks Rechtschreibprüfung meiner Änderungen. Das ist nur ein Beispiel für viel Arbeit, die man auch als Vertreter außerhalb der eigentlichen Sprechstunden leistet. Dann relativieren sich die recht beträchtlichen Summen, die man bei Vertretungen verdient, doch etwas: man leistet viel Arbeit, die nicht bezahlt wird, aber mit dazugehört - wie immer als Selbständiger.

Der Vertrag steht als Download hier  zur Verfügung! (30.5 KB doc) - wenn Sie meinen Namen durch Ihren ersetzen, haben Sie einen fertigen Vertrag für den Eigenbedarf.
 

 
Videoanimation der Raumlandung einer Marssonde der US-amerikanischen Spirit-Klasse im Jahre 2003



                                  Contrat de remplacement

 
Entre le Docteur   XX


d’une part

et

le Docteur   Wolfgang B. LINDEMANN, médecin généraliste remplaçant, demeurant 22, rue d’Anjou 

F - 44 000 Nantes   Tél. : 02 51 81 96 49   TO 44-7434

d’autre part

 

 Préambule

Face à l’obligation déontologique qui est la sienne d’assurer la permanence des soins et conformément aux dispositions de l’article 65 du Code de Déontologie, le Dr  XX  a contacté le Dr  LINDEMANN médecin remplaçant pour prendre en charge, lors de la cession temporaire de son activité professionnelle habituelle, les patients qui feraient appel à lui.

Pour permettre le bon déroulement de ce remplacement, le Dr XX  met à la disposition du Dr LINDEMANN son cabinet de consultation.  Le Dr LINDEMANN  assume de ce fait toutes les obligations inscrites dans le Code de Déontologie. Il ne peut aliéner son indépendance professionnelle sous quelque forme que ce soit.

 

Il a été convenu ce qui suit :

 

Article 1

Dans le souci de la permanence des soins, le Dr XX charge le Dr LINDEMANN, qui accepte, de le remplacer temporairement auprès des patients qui feraient appel à lui.

Le Dr LINDEMANN devra consacrer à cette activité tout le temps nécessaire selon les modalités qu’il fixera librement [1[. Il s’engage à donner, à tout malade faisant appel à lui, des soins consciencieux et attentifs dans le respect des dispositions du Code de Déontologie.

Hors le cas d’urgence, le médecin remplaçant pourra, dans les conduites de l’article 47 du Code de Déontologie, refuser ses soins pour des raisons professionnelles ou personnelles.

 Article 2

 

Le présent contrat de remplacement est prévu 

 

du  ……………………………………………………………………………………………….

 

au  ………………………………………………………………………………………………. compris.

 

Motif :

 

 

 Article 3

Pendant la durée du présent contrat de remplacement et pour les besoins de son exécution, le Dr LINDEMANN aura l’usage des locaux professionnels, installations et appareils que le Dr XX met à sa disposition. Il en fera usage en bon père de famille.

Compte tenu du caractère par nature provisoire de l’activité du remplaçant, celui-ci s’interdit toute modification des lieux ou de leur destination.Article 4

Le Dr LINDEMANN exerçant son art en toute indépendance sera seul responsable vis-à-vis des patients et des tiers des conséquences de son exercice professionnel et conservera seul la responsabilité de son activité professionnelle pour laquelle il s’assurera personnellement à ses frais à une compagnie notoirement solvable.

À la demande du Dr XX, il devra apporter la preuve de cette assurance avant le début de son activité.

 Article 5

Le Dr LINDEMANN utilisera conformément à la Convention Nationale les ordonnances ainsi que les feuilles de soins et imprimés pré-identifiés au nom du Dr XX dans son activité relative aux patients du Dr XX.

En outre, il devra faire mention de son identification personnelle sur les ordonnances, feuilles de soins et imprimés réglementaires qu’il sera amené à remplir.

 Article 6

Les deux co-contractants auront des déclarations fiscales et sociales indépendantes et supporteront personnellement, chacun en ce qui les concerne, la totalité de leurs charges fiscales et sociales afférentes au dit remplacement.

 Article 7

Le Dr LINDEMANN percevra l’ensemble des honoraires correspondant aux actes effectués sur les patients à qui il aura donné ses soins.

Il devra remplir les obligations comptables normales et habituelles qui lui sont imposées réglementairement.

 

En fin de remplacement, le Dr XX reversera au Dr LINDEMANN   …...  % du total des honoraires perçus et à percevoir correspondant au remplacement. Il est convenu que les actes effectués lors des astreintes de nuit ou des gardes seront rétrocédés en totalité au remplaçant. Un minimum de 10 C/j est assuré.

Conformément aux dispositions de l’article 66 du Code de Déontologie, le remplacement terminé, le remplaçant cessera toute activité s’y rapportant et transmettra les informations nécessaires à la continuité des soins.

 Article 8

Si au terme du remplacement prévu au présent contrat le Dr LINDEMANN a remplacé le Dr XX pendant une période de trois mois, consécutifs ou non, il ne pourra sauf accord écrit du Dr XX s’installer pendant une durée d’un an dans un poste où il puisse entrer en concurrence  directe avec le médecin remplacé ou éventuellement ses associés (préciser ici commune ou distance, par défaut rayon de 500m autour du cabinet du Dr XX).

 Article 9

En cas de difficultés soulevées par l’exécution ou l’interprétation du présent contrat, les parties s’engagent préalablement à toute action contentieuse à soumettre leur différend à deux membres du Conseil départemental de l’Ordre, chacun choisissant librement l’un de ces deux membres.

Ceux-ci s’efforceront de concilier les parties et d’amener une solution amiable, ce, dans un délai de 30 jours à compter de la désignation du premier des conciliateurs.

 Article 10

Conformément aux dispositions des articles 65 et 91 du Code de Déontologie, ce contrat sera communiqué par le Dr XX au Conseil départemental de l’Ordre avant le début du remplacement.  Son renouvellement sera soumis à ces mêmes dispositions. Les parties affirment sur l’honneur n’avoir passé aucune contre-lettre ou avenant relatif au présent contrat qui ne soit soumis au Conseil départemental.

 

Fait en trois exemplaires (dont un pour le Conseil départemental)



à                            le                                          à                                    le

 


 Docteur  XX (signature, tampon)                           Docteur LINDEMANN (signature, tampon)

 




1 Il est recommandé que les modalités habituelles de fonctionnement du cabinet soient précisées au remplaçant, dans le souci de la permanence des soins.


 

Dorosz 2016 A 1

KEINE Praxisvertretung ohne den “Dorosz”!
Der “Dorosz” ist eine französische Institution: ein handliches Büchlein - klein ist nicht der richtige Ausdruck, aber es passt in die Kitteltasche -, das auf fast 2000 Seiten geordnet nach Fachgebieten die meisten französischen Medikamente erwähnt, so eine Art “Rote Liste” im Kleinformat - aber beschränkt auf das wesentliche.
Wenn man ein Medikament nicht kennt, schaut man hier nach.

Dorosz 2016 D 1
Dorosz 2016 B 1

Man findet ein Medikament entweder über das Register (Wirkstoff- und Präparatename alphabetisch geordnet), oder durch das Inhaltsverzeichnis, besser gesagt die beiden Inhaltsverzeichnisse: Oben ist das Kurz- Inhaltsverzeichnis angegeben, innerhalb jeder Gruppe gibt es noch ein weiteres Inhaltsverzeichnis, das z.B. im Abschnitt “Oto-Rhino- Laryngologie, Stomatologie” u.a. folgende Unterkapitel enthält:
Antivertigineux,   Décongestionnants ORL, Gouttes auriculaires, Bains de bouche antiseptiques,  Produit divers en stomatologie, Prévention des caries dentaires.
Unter “Décongestionnants ORL” finden sich die Unter-Unterkapitel Vasoconstricteurs ORL par voie orale, Vasoconstricteurs ORL par voie nasale, Anticholongergiques par voie nasale, Solutions de lavage nasal, Antiseptiques par voie nasale, Antiallergiques cortisoniques par voie nasale, Antiallergiques non cortisoniques par voie nasale.
Das Kapitel ORL ist ein besonders schönes Beispiel, wie nützlich, um nicht zu sagen “notwendig” -notwendig- der “Dorosz “für eine Tätigkeit als Praxisvertreter in Frankreich ist: Medikamente für die “petite médecine” oder “banale Erkrankungen” -banal im Sinne der Prognose quoad vitam, nicht im Sinne von “angenehm”- existieren nicht nur im Krankenhaus nicht  sondern sie sind auch in jedem Land in dem Sinne ganz verschieden, als zwar natürlich die Wirkstoffe grundsätzlich dieselben sind, aber nicht die Präparate (Blockbuster-Medikamente für Bluthochdruck oder Diabetes haben meist schon grenzüberschreitend ähnliche  oder identische Namen). In Deutschland wie in Frankreich verordnet man ein cortisonhaltiges Nasenspray bei Heuschnupfen, und einen Vasokonstriktor bei infektiöser Rhinitis, nach Möglichkeit mit einem Antiseptikum, oder auch nur ein nasales Antiseptikum. Aber wie heißen die entsprechenden Präparate? Diese Frage stellt sich, sobald ein Patient mit einem grippalen Infekt  erscheint - also spätestens zwei Stunden nach Beginn der ersten Sprechstunde. Und dafür hat man den “Dorosz” bei sich. Diese Überlegung gilt analog für ALLE Fachgebiete, ob es nun die Schmerzbekämpfung ist oder die Ekztemtherapie oder vielleicht Kopfläuse bei einem Kind im Hausbesuch. Ohne “Dorosz” ist man dann verloren, wortwörtlich - mit “Dorosz” ist man gerettet.
Amazon.fr ermöglicht den problemlosen Bezug des “Dorosz”  in Deutschland, Kreditkarte genügt und  Amazon Frankreich liefert nach Deutschland ohne großen Aufpreis (und umgekehrt).

Vidal Recos 2016 A 1

Für die ersten Praxisvertretungen sicherlich entbehrlich, aber sicherlich sinnvoll, um mit der französisch(sprachig)en Medizin vertraut zu werden: Videl Recos. In ständig aktualisierten und erweiterten Auflagen fasst es die wichtigsten Leitlininien zusammen, samt Kurzbeschreibung der Medikamente, die in ihnen empfohlen werden (der “Vidal” ist das französische Analog der deutschen “Roten Liste”).

Vidal Recos 2009 A 1
Vidal Recos 2009 C 1

Habent sua fata libelli   Bücher haben (auch) ihre Geschichte:
Der “Dorosz” ist heute eine französische Institution - er ist benannt nach seinem Begründer, dem Notfallmediziner Dr. Philippe Dorosz, der 1979 auf eigene Faust und mit eigenen Mitteln die erste Ausgabe veröffentlichte. Diese füllte eine echte Lücke, und wurde daher jählich neu aufgelegt, immer verbessert und erweitert. Als ich 1998 als Medizinalassistent (Medizinstudent im Praktischen Jahr) in Straßburg meinen ersten  “Dorosz” erworben habe, war er bereits ein Standardwerk. Einen Einschnitt gab es, als Philippe Dorosz im Jahre 2007 mit nur 66 Jahren verstorben ist. Wer sollte sein Werk weiterführen? Im Jahre 2008 gab es keinen neuen “Dorosz”, aber im Jahre 2009: Seitdem übernimmt ein ganzes Kollektiv von Pharmakologen und Klinikern das, was Philippe Dorosz während 9 Monaten in jedem Jahr, die Zeit einer Schwangerschaft, wie er einmal sagte, alleine vollbrachte.

Dr. Philippe Dorosz wurde mit den höchsten medizinischen Orden Frankreichs ausgezeichnet. Sein Andenken bewahrt heute eine Website docteurphilippedorosz.fr

Dorozs 1998 A 2
Dorosz 2006 A 1

Die letzten “alten” (oben und rechts) und der erste “neue” Dorosz (unten).

Dorosz 2001 A 1
Dorosz 2007 A 1
Dorosz 2009 B 1
Dorosz 2009 C 3