Informationen zum “Ärzteparadies Frankreich”

 Für Kollegen  in Deutschland:  eine Alternative

Für alle: Ideen zu einer Reform des Gesundheitswesens

 Ist etwas wichtiger als Freunde (pps) ?!?  Quoi de plus important que l’amitié (pps) ?!?

Wie im Ärzteparadies Frankreich Fuß fassen?

Warum überhaupt sein Arztleben in Frankreich fortsetzen? Natürlich gibt es dafür private Gründe - Liebe zu Frankreich, französische Wurzeln, vielleicht ein französischer Ehepartner. Aber sprechen wir von beruflichen Gründen, den Schritt über die Grenze zu tun: Ein möglicher Grund kann sein, dass in der Allgemeinmedizin sicherlich eine bessere Betreuung und Versorgung der eigenen Patienten möglich ist: Mehr Zeit für den Patienten, mehr Zeit für das Gespräch und die körperliche Untersuchung, weniger (indirekte) Zwänge, teure - aber für die Rentabilität der Praxis nötige - technische Untersuchungen machen zu müssen. Es wird an anderer Stelle auf dieser Website ja erwähnt - ein niedergelassener Allgemeinmediziner hat meistens ein EKG, und das war’s an Hightech, keine Ultraschallgeräte, keine Ergometrie und was der Dinge mehr sind, die dann finanziert und damit ausgelastet werden müssen. Das Formularwesen, die Bürokratie - alles ist um einige Größenordnungen geringer. Dafür ist die Freiheit größer: vollständige Niederlassungs- Verschreibungs- Öffnungszeiten- etc. Freiheit. In Deutschland haben sich die Ärzte seit Jahrzehnten ihre Arbeitsbedingungen immer mehr verschlechtern und beeinträchtigen lassen - und vielleicht die einzige Möglichkeit, die uns noch bleibt, um doch noch einen Gegendruck aufzubauen und etwas zu bewirken gegen Gängelung, Bürokratisierung und Schikanierung ist vielleicht die „Abstimmung mit den Füßen“. Jeder Arzt, der geht, erhöht auch den Druck auf die Entscheidungsträger, dass es so nun wirklich nicht mehr weitergeht und hilft damit seinen Kollegen zu Hause, die aus äußeren Gründen nicht in das Ärzteparadies Frankreich gehen können. Aber DAS wissen Sie als Arzt im deutschen System natürlich selber …

Der Ordre national des médecins - die nationale französische Ärztekammer - stellt eine Website bereit, die die Arztdichte in jeder Region sehr detailliert wiedergibt: suchen Sie sich eine schöne Gegend aus, wo Sie hinmöchten und wo man Ärzte braucht https://demographie.medecin.fr

Es ist keine kleine Sache, einen so komplexen und fordernden Beruf wie den des Allgemeinmediziners in einem anderen Land auszuüben - darum nachfolgend Hinweise zur allgemeinen wie zur fachlichen Vorbereitung, zur Anmeldung bei der Ärztekammer und schließlich wie Sie die ersten beruflichen Schritte hier tun.

  Wieviel verdient ein niedergelassener französischer Allgemeinmediziner? Mehr auf dieser Seite

Sprachliche Vorbereitung

Ich empfehle die Teilnahme an einer Gruppenreise mit einer FRANZÖSISCHEN Reisegruppe - Busreise zu den Schlössern an der Loire, Kreuzfahrt auf der Rhone, etwas in der Art. Das muss man natürlich möglichst über ein französisches Reisebüro buchen.

Wenn Sie weniger Geld aber mehr Zeit haben und einer weltanschaulichen oder politischen Bewegung angehören: Versuchen Sie, über diese Bewegung einen „Arbeitsaufenthalt“ in Frankreich zu organisieren, nach dem Prinzip „Kost und Logis gegen gratis-Mitarbeit“: Mit Franzosen unter Franzosen. Arbeitseinsätze mit französischen Naturschutzgruppen, einen Monat mit der französischen Sektion von Médecins sans frontières (Ärzte ohne Grenzen), wenn Sie katholisch sind ist es immer interessant, eine Zeit als Gast in einem französischen Kloster zu verbringen, die meisten französischen politischen Parteien veranstalten Sommerakademien, bei denen freiwillige Helfer immer willkommen sind … irgendetwas, dass Sie unter Franzosen im Land sein lässt.

Filme anschauen - wählen Sie einen Film, der Ihnen wirklich gefällt (weil Sie ihn oft anschauen sollen), der in deutscher wie französischer Synchronisation vorliegt (über Amazon kann man solche Filme ja problemlos beziehen). Sehen Sie sich einmal, besser zwei- oder dreimal den Film auf Deutsch an, beim 2. und 3. Mal mit französischen Untertitel … und dann auf Französisch, abwechselnd mit deutschen und französischen Untertiteln, immer und immer wieder, zehnmal, zwanzigmal (das ist ernstgemeint). Solange, bis Sie dem Text einigermaßen auf Französisch folgen können, ohne die Untertitel lesen zu müssen (wenn dafür fünfmal ausreicht, um so besser, das hängt ja von Ihren Vorkenntnissen ab - Sie sehen ihn sich so oft an, bis Sie dem Text folgen können). Man hört sich auf diese Weise in die Sprache herein. Machen Sie das mit mehreren Filmen, Sie werden später im Land überrascht sein, wieviel Ihnen das gebracht hat.

Dieselbe Prozedur wiederholen Sie für ein Buch: wählen Sie sich ein Buch, das Sie auf Deutsch mehrfach gelesen haben und wirklich kennen - und verschaffen Sie es sich in seiner französischen Ausgabe (Amazon Frankreich amazon.fr   liefert problemlos nach Deutschland). Notfalls lesen Sie immer eine Seite den deutschen Text und dann die entsprechende Seite des französischen Textes. Hier geht es nicht so sehr um das Verständnis jedes Wortes, sondern um die „Masse“ des Textes, um das Vertrautwerden mit der sprachlichen Struktur des Französischen. Zwei oder drei Bücher so durchzulesen ist nicht zu viel. (Ein einfacher Test, wann Sie WIRKLICH gut Französisch können: wenn Sie NACH einem anstrengenden Arbeitstag ZUR ENTSPANNUNG ein Buch auf dem Nachttisch liegen haben, einmal in französischer, einmal in deutscher Ausgabe - und das französische Buch genauso gut zur Entspannung - ich betone: zur Entspannung, zum Abschalten, zur Erholung - lesen können wie das Deutsche. Also nicht eine zusätzliche Übung machen, sondern etwas zur Erholung schmökern wollen und dann nicht das französische Buch „instinktiv“ wieder zur Seite legen um das deutsche zu nehmen. (Das dauert - täuschen Sie sich nicht selber; ich war erst nach etwa 3 Jahren soweit).

 

Fachliche Vorbereitung

Abonnieren sie eine französische Fachzeitschrift. Die bedeutendsten im Bereich der Allgemeinmedizin sind „Exercer“  „La Revue du Praticien - Médecine Générale“ und „Prescrire“. Exercer  exercer.fr  ist etwa das französische Homolog zur deutschen Zeitschrift für Allgemeinmedizin. Sie hat ihren Schwerpunkt etwas mehr in der allgemeinmedizinischen Forschung als in der Fortbildung. La Revue du Praticien larevuedupraticien.fr  ist in erster Linie eine Zeitschrift zur Fortbildung. Prescrire prescrire.org  befasst sich spezifisch und kritisch - gelegentlich wohl zu kritisch - mit der Arzneimitteltherapie. Alle sind natürlich industrieunabhängig.

Nehmen Sie an französischen Fortbildungen oder an allgemeinmedizinischen Kongressen teil.

Im Elsass gibt es ein ausgebautes Fortbildungswesen, in Straßburg, Hagenau und anderswo finden etwa monatlich KOSTENLOSE Fortbildungsveranstaltungen für Allgemeinmediziner statt. Eine Übersicht finden Sie auf der Website von FMC 67 fmc67.org  , das ist die zentrale Organisation, die diese Fortbildungen organisiert (FMC = Formation médicale continue). Die Website ist im Design etwas vernachlässigt, aber Sie finden dort die wichtigen Informationen über Orte, Zeiten und Themen.

Einmal im Jahr im November gibt es in Straßburg eine mehrtägige Fortbildungsveranstaltung betitelt „Journées médicales de Strasbourg“: Samstag und Sonntag Vorträge zu ALLEN Bereichen der Allgemeinmedizin, praktische Übungen und Seminare und am Montag und Dienstag - wenn man will - noch zusätzlich Halbtagsseminare in verschiedenen Krankenhausfachabteilungen, z.B. bei den Diabetologen, den Rheumatologen und so fort. Dann sehen Sie wahrscheinlich das erste Mal im Leben - und vielleicht auch das einzige Mal - ein französisches Krankenhaus von Innen, und da Sie als Allgemeinmediziner ja auch mit Krankenhäusern zusammenarbeiten sollen, ist das eigentlich ein „Muss“. Die Veranstaltung wird unter Beteiligung der medizinischen Fakultät organisiert, weitere Informationen finden sich hier http://med.unistra.fr/eng/Liens/Sites-Web-rattaches-a-la-Faculte/DEFOPE   Die Teilnahme kostet knapp 100.- Euro.

Schließlich gibt es zwei große nationale Kongresse im Bereich der Allgemeinmedizin

Wenn Sie an Ihnen teilnehmen, bekommen Sie wirklich einen Einblick in „die“ französische Allgemeinmedizin, und Ideen, wo Sie sich niederlassen können, obendrein - es sind immer Stände von Kommunen oder Regionen auf dem Kongress, die verzweifelt Ärzte suchen und goldene Brücken bauen. Der Kongress des Collège National des Généralistes Enseignants cnge.fr ´ wird - wie der Name sagt - normalerweise im November/ Anfang Dezember von den Vertretern der akademischen Allgemeinmedizin veranstaltet (die auch die Zeitschrift  Exercer herausgibt) und ist stärker wissenschaftlich ausgerichtet als der Congrès National Médecine Générale France congresmg.fr, der üblicherweise Ende April stattfindet und von verschiedenen allgemeinmedizinischen Berufs- und Fortbildungsorganisationen getragen wird. Beide sind aber einen Besuch wert, entscheiden Sie am besten nach Ihrem Terminkalender, der CMGF ist üblicherweise in Paris, während der CNGE an wechselnden Orten stattfindet. Auf diesen beiden Kongressen erfährt man auch viel über Berufspolitik oder Fragen des Medizinstudiums und der Facharztweiterbildung, was auf den Journées Médicales de Strasbourg kaum vorkommt.

Bei allen diesen Fortbildungen und Kongressen geht es für Sie nicht nur um die „offiziellen“ Inhalte. Es geht auch um das Gespräch mit Kollegen, und je kleiner die Gruppe ist, desto leichter und besser kommen Sie mit niedergelassenen französischen Allgemeinmedizinern in Kontakt. Sie können auf diese Weise auch ihre ersten Praxisvertretungen finden.
Die beste Quelle für Informationen aller Art zu juristischen, steuerlichen, administrativen und sonstigen Fragen zur technischen Aspekten der Berufsausübung und Freiberuflichkeit ist sicherlich die Agentur Media Santé media-sante.com - und Vertretungen sowie Angebote zur Übernahme von Praxen bekommen Sie dort auch.

 

Diese Website studieren

Das Internet ist kein gutes Medium, um Sachtexte zu veröffentlichen und zu studieren - aber der Inhalt dieser Website steht nun einmal nicht in Buchform zur Verfügung. Studieren Sie die Website - am besten mit einem (Ihrem) (Ehe)Partner, lesen Sie gemeinsam und besprechen Sie, was Sie gelesen haben. Schauen Sie sich die medizinischen Videos an, die ich auf die Website gestellt habe - da geht es dann nicht nur um den gesprochenen Text, sondern z.B. auch um den „Hintergrund“ - wie sieht eine französische Arzt- oder Krankenpflegepraxis aus, wie geht es in einem Krankenhaus zu: Einrichtung, Bezeichnungen, Dienstgrade … Ich empfehle einige Filme - verschaffen Sie sie sich; über Amazon kein Problem, Filme wie „Hippokrates“ oder „Der Landarzt von Chaussy“ geben wirklich ein „Feeling“ für die Berufsausübung in Frankreich und können wenigsten zu einem kleinen Teil eigene Erfahrungen ersetzen.

Machen Sie sich mit den Websiten vertraut, auf die ich verlinke - die brauchen Sie für Ihre Berufsausübung in Frankreich. Lernen Sie die Vokabeln - und die Abkürzungen; die Abkürzungen sind fast noch wichtiger als die Vokabeln.

Und natürlich können Sie mich auch kontaktieren, und wir sprechen über Fragen, die Sie haben. Sie dürfen mir auch Fragen stellen, die auf dieser Website bereits beantwortet sind … aber wenn Sie sich hier mit den Grundlagen vertraut gemacht haben, können wir im persönlichen Gespräch oder gar einer Hospitation weiter und spezifischer in die Einzelheiten gehen.

 Was kann man in Frankreich als Arzt noch finden, wenn man es jedenfalls sucht, was in Deutschland selten geworden ist? Eine andere Art der Berufsausübung - man ist, auch privat, “dichter” an  den Patienten, das liegt auch daran, dass man nicht durch eine Rezeption mit mehreren Angestellten abgeschirmt ist.. Und man kann Teil einer Dorfgemeinschaft sein, des “öffentlichen Lebens” ob es nun Dorffeste oder der Gemeinderat sind. Ungefähr so, wie es in Deutschland noch bis in die 1970er ganz normal war, mutatis mutandis.
 
Landarzt Dr. Brock - eine Arztserie aus den 1960ern
 
Sicherlich ist das Leben kein Roman und sicherlich hat sich die Medizin seit 1960 fachlich weiterentwickelt.
Trotzdem zeigt diese Landarztserie ganz gut das, was Sie in einem kleineren Dorf in Frankreich - maximal einige 1000 Einwohner -  auch heute noch finden können, wenn Sie das wünschen und weit genug - wenigstens eine Autostunde - von der nächsten Universitätsstadt entfernt sind.

Anmeldung bei der Ärztekammer

Sehr viele Kollegen haben mich gefragt, wie die Anmeldung in der französischen Ärztekammer vonstattengeht und was überhaupt formal und rechtlich zu tun ist, ehe man als deutscher Arzt in Frankreich tätig werden kann. Darauf möchte ich auf dieser Seite antworten.

In Frankreich kann nur als Arzt arbeiten, wer auch bei der französischen Ärztekammer Ordre des médecins angemeldet ist. Wenn Sie das nicht sind, können Sie vielleicht noch im Urlaub ein deutsches Rezept mit ihren deutschen Daten ausstellen, aber alles andere mehr ist exercice illégale de la médecine, und dafür geht es in den Bau.

Sie müssen sich also erst beim  Ordre des médecins anmelden, ehe sie tätig werden können.

Welcher Ordre des médecins? Der Ordre ist nach Départements organisiert - ein Conseil de l’Ordre des médecins (Ärztekammer) pro Département. (Es gibt noch den Conseil régional de l’Ordre des médecins -eine pro Region, eine Region besteht aus mehreren Départements- und den Conseil national de l’Ordre des médecins; beide betreffen Sie aber zunächst einmal nicht).

Welcher Conseil de l’Ordre, d.h. von welchem Département?  Von dem Département, in dem Sie tätig werden wollen, sofern Sie eine feste Anstellung antreten. Andernfalls -wenn Sie keine feste Anstellung antreten oder Praxisvertreter sind- der Conseil de l’Ordre des Département des Wohnortes.

Und wenn Sie in Frankreich keinen Wohnsitz haben? Dann können Sie sich einen Conseil de l’Ordre frei aussuchen! (Man glaubt es nicht). Ich empfehle Ihnen aber, aus praktischen Gründen für Sie (leichter erreichbar) und weil man dort mehr Erfahrung mit deutschen Ärzten hat, eines der grenznahen Départements auszuwählen und sich bei der dortigen Ärztekammer einzuschreiben, am besten im Unterelsass (Sitz der Ärztekammer ist Straßburg) oder im Oberelsass (Sitz der Ärztekammer ist Colmar), eventuell auch im Moseldépartement (Sitz der Ärztekammer ist Metz). In Straßburg und Colmar treffen Sie mit Sicherheit auf deutsch sprechendes Personal

Conseil Départmental de l’ Ordre des Médecins du Bas- Rhin  
57, rue du Général Offenstein         F - 67000 Strasbourg     Tel. 0033 388 61 56 12

Conseil Départmental de l’ Ordre des Médecins du Haut- Rhin 
8, rue Schlumberger      F - 68000 Colmar         Tel. 0033 389 41 24 40

Conseil Départmental de l’ Ordre des Médecins de la Moselle      
6, Quai Paul Wiltzer      F - 57000 Metz             Tel. 0033 387 31 96 96

Grundsätzlich müssen Sie ein bei der Ärztekammer erhältliches entsprechendes Formular ausfüllen und jeweils mit einem Photo versehen in doppelter Ausfertigung abgeben, das Sie nach Ihrem beruflichen Werdegang, Ihren Qualifikationen etc. befragt. Sie erhalten zugleich ein Blatt mit Auskünften, was alles konkret beizubringen ist neben dem Formular. Man fragt Sie nach dem “année de thèse”: Wenn Sie nicht promoviert sind, spielt das KEINE Rolle: Sie geben einfach das Jahr Ihrer Approbation an und schreiben daneben “diplôme équivalent allemand”.

Zuerst müssen Sie Ihr Staatsexamenszeugnis, Ihre Approbationsbescheinigung und -seit Wegfall des AiP- Ihre Facharzturkunde in beglaubigter Übersetzung beibringen. Eine beglaubigte Übersetzung wird von einem traducteur assermenté erstellt, Sie finden diese unter dem Stichwort “traducteur” in den französischen gelben Seiten www.pagesjaunes.fr, und dann wählen Sie einen, der ausdrücklich stehen hat “traducteur assermenté” bzw. “traductrice assermentée” oder, falls es dort nicht steht, fragen Sie telephonisch nach.

Ich selber lasse seit meine  Dokumente bei der Arobase Traduction in einem Vorort von Straßburg (nahe der Autobahn!) übersetzen; ich kenne dieses Übersetzungsbüro seit 1998 und habe es immer als zuverlässig, gewissenhaft und rasch erlebt. Arobase hat den Vorteil, dass es beglaubigte französische Übersetzungen nicht nur von deutschen, sondern auch von Dokumenten aus vielen anderen Sprachen wie Englisch, Spanisch oder Portugiesisch machen kann. Die Firmengründerin und Eigentümerin  Mme Christine Machut ist selber vereidigte Deutsch- Übersetzerin, näheres auf der Homepage von Arobase: arobase-traduction.com 

Besonders wenn Sie als médecin généraliste tätig werden wollen, benötigen Sie eine “Äquivalenzbescheinigung” des Bundesgesundheitsministeriums, die bescheinigt, falls Sie kein fertiger Allgemeinmediziner sind, dass Sie den “Mindeststandard” erfüllen, der Sie berechtigt, als médecin généraliste tätig zu werden. Dieser Mindeststandard ist im Artikel 28 der EU- Direktive 2005/36/CE    festgelegt, dessen Text ich hier wörtlich zitiere: (einzureichen beim Ordre des médecins ist)  “un diplôme sanctionnant une formation spécifique en médecine générale accompagné d’une attestation de conformité à l’article 28 de la directive 2005/36/CE  OU  une attestation, délivrée par les autorités allemandes compétentes, certifiant que ce médecin a  le droit d’exercer l’activité de médecin généraliste en Allmagne, conformément à l’article 30 de la directive”

Bis zur Abschaffung des AiP genügte die deutsche Vollapprobation, d.h. nach meinem AiP konnte ich direkt tätig werden als médecin généraliste.  Heute aber wird  der deutsche Facharzt für Allgemeinmedizin verlangt - trotz der 2. zitierten Vorschrift “OU une attestation, délivrée...”. L’autorité allemande compétente ist das besagte Bundesgesundheitsministerium.

Ärzte anderer Fachgebiete können sich jederzeit als médecin généraliste hier in die Ärztekammer eintragen lassen, mit allen Rechten, z.B. ein Anästhesist kann auf diese Weise in die Allgemeinmedizin überwechseln.

Neben diesen Zeugnissen wird folgendes verlangt:

Ein handgeschriebener Lebenslauf, der Ihre Ausbildung vom Abitur bis zur Vollapprobation angibt.

Un acte de naissance = Geburtsurkunde

Un acte de nationalité = z.B. beglaubigte Kopie Ihres Reisepasses

Ein polizeiliches Führungszeugnis (beglaubigte Übersetzung)

Eine Erklärung, dass kein Strafverfahren gegen Sie läuft, das Auswirkungen auf Ihr Recht zur Ausübung der ärztlichen Tätigkeit haben könnte.

Belege, dass Sie eine ausreichende Kenntnis der französischen Sprache besitzen (Sie können wählen, was; in meinem Fall genügte es, dass ich bereits mein PJ in Straßburg absolviert hatte, im Zweifelsfall genügt es, bei dem Gespräch mit dem rapporteur du dossier (das ist ein Mitglied des Präsidiums der Ärztekammer, der Ihre Akte dem Präsidium der Ärztekammer bei seiner nächsten Sitzung vorstellen wird, auf der man sie dann in den Ordre des médecins aufnehmen wird) ein brauchbares Französisch zu sprechen).

Dann reichen Sie Ihre Unterlagen ein, die werden geprüft und dann müssen Sie einen Termin abmachen mit dem rapporteur du dossier. Es ist besser, Sie bemühen sich selber um den Termin, über das Sekretariat.

Der rapporteur wird etwas mit Ihnen plaudern, das Ganze ist ein Formsache; allerdings kann es eventuell passieren, dass man Ihre Einschreibung in die Ärztekammer verzögert oder gar verweigert, wenn Sie wirklich überhaupt kein Französisch können.

Das Präsidium tagt nur einmal im Monat und im Juli und August gar nicht; dementsprechend wird der ganze Vorgang also etwas verzögert. Am Folgetag der Sitzung rufen Sie bei der Ärztekammer an und die Sekretärin sagt Ihnen Ihre numéro de tableau de l’Ordre. Diese Nummer kommt zusammen mit Ihrem Namen auf Ihren Stempel, und damit können Sie loslegen in Frankreich zu arbeiten, z.B. eine Vertretung zu machen. Und nicht vorher ...

Die Mitgliedschaft in der Ärztekammer kostet auch Geld; etwa 250.- Euro pro Jahr unabhängig vom Einkommen. Nur im ersten Jahr gibt es eine Ermäßigung. Zu zahlen jeweils zu Jahresbeginn.

Sagen Sie dem rapporteur einen Gruß von mir, Sie hätten die Informationen über die Tätigkeit als “Arzt in Frankreich” von meiner Homepage!

Kassenzulassung und dergleichen gibt es in Frankreich nicht vergleichbar. Wenn Sie Mitglied der Ärztekammer sind, können Sie auch Vertretungen machen und sich niederlassen - wo und sooft Sie wollen. Und niemand kann sie rechtlich daran hindern - das sage ich, weil heutzutage die Ärztekammer in Straßburg beispielsweise auf deutsche Ärzte, die sich hier anmelden, einen gewissen “moralischen” Druck ausübt, zuerst eine Zeit “unter Aufsicht” zu arbeiten, in einer Gemeinschaftspraxis, einige Zeit im Krankenhaus ... (siehe unten). Das ist fachlich ganz zweifellos berechtigt, und seit die Allgemeinmedizin auch in Frankreich als Facharztgebiet etabliert ist, ist man sich bewusstgeworden, dass man nicht mal so einfach so aus der “richtigen” hochspezialisierten Krankenhausmedizin in die “leichte” Allgemeinpraxis wechseln kann. Aber daran hindern, Praxisvertretungen zu machen oder sich niederzulassen, kann man Sie definitiv nicht, mag man ihnen auch noch so lange und eindringlich nahelegen “erst unter Aufsicht” “nicht alleine” etc. etc. zu arbeiten.

 

Praxisvertretungen … oder noch besser erst 6 Monate im Krankenhaus

Das Ideale wäre sicherlich, eine Stelle als „Faisant fonction interne“ FFI für 6 Monate anzunehmen. Man wird bescheiden bezahlt, arbeitet aber nicht ganz so viel wie ein deutscher Assistenzarzt, kann jedenfalls in Krankenhäusern von kleineren Städten im Ärztewohnheim „Internat“ wohnen, hat nicht die ganze Verantwortung - ein „Interne“ hat noch Studentenstatus - und ist hinterher fit, was Frankreich angeht. Das wird in vielen Fällen nicht möglich sein. Die zweitbeste Möglichkeit sind Praxisvertretungen, d.h. auch wenn Sie als FFI gearbeitet haben, schließen Sie natürlich noch einige Praxisvertretungen an. Als Vertreter lernt man den administrativen Teil des ärztlichen Berufes - das Formularwesen der Krankenkassen, Buchführung und ähnliches. Und natürlich die Details der Berufsausübung in einer französischen Allgemeinmedizinpraxis. Rein rechtlich können Sie, wenn Sie einmal Mitglied des Ordre des médecins sind, Vertretungen machen wo und wie Sie wollen, aber man wird Ihnen wohl nahelegen, dies erst in Gemeinschaftspraxen unter einer gewissen - nicht Überwachung aber Begleitung zu machen, Sie sollten die ersten Monate nicht alleine in einer Praxis sein. Sie könnten beispielsweise eine Wohnung in der ungefähren Gegend mieten, in der Sie später Ihre Praxis aufmachen wollen und dann 6 Monate oder ein Jahr im Umkreis Vertretungen machen. Dann lernen Sie nicht nur die Medizin, sondern auch die Region kennen, gerade unter medizinischen Aspekten (welche Krankenhäuser sind wo? Welche Fachärzte, Labore, Heilhilfsberufe, Sozialdienste etc. etc. gibt es wo, mit welchen Schwerpunkten, Öffnungszeiten …?). Und finden wahrscheinlich auch konkrete Angebote, eine Praxis zu übernehmen bzw. als Partner einzusteigen. Eine Praxis zu übernehmen ist purer Stress, und je mehr Sie schon in der Region zu Hause sind - was auch beinhaltet, die Einkaufsmöglichkeiten zu kennen, die Schulen, die Verkehrswege, eine Bankverbindung eingerichtet haben, vielleicht schon eine Steuererklärung abgefasst haben - desto mehr können Sich auf Ihren Beruf konzentrieren, wenn es dann soweit ist.

Ich schätze, dass Sie ein Jahr hart arbeiten müssen, ehe Sie wirklich soweit sind, dass Sie eine Praxis in Frankreich führen können und nach vielleicht 5 Jahren haben Sie dann eine vergleichbare Leistungsfähigkeit wie französische Kollegen. Aber es lohnt sich. Ganz bestimmt.

Praktische Tips einer  französischen Ärztegewerkschaft zur Niederlassung als Allgemeinmediziner im Ärzteparadies Frankreich:
 csmf.org/votre-parcours/installation

Yuna Kim “Imagine there is no heaven...”
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Praxismaterial Mediq A 1

Praxisbedarf: Nicht aus dem Sanitätshaus maison médicale oder der Apotheke pharmacie! Warum? Weil Sie da erheblich mehr zahlen, ohne weiteres das Doppelte!
Als Arzt bestellt man seinen Praxisbedarf - dazu gehören auch schon Stethoskope und Ohrtrichter - bei einem medizinischen Fachversand. Die beiden wichtigsten sind der oben aufgeführte mediq.fr sowie der Online-Händler - er hat keinen Katalog - Robé Medical robe.fr . Robé ist meistens billiger. Mediq hat den Vorteil, dass man sich von dem Katalog sozusagen inspirieren lassen kann, was man für die eigene Praxis braucht oder brauchen könnte, außerdem gibt es regelmäßig Sonderangebote. Beide liefern rasch - üblicherweise binnen 48 Stunden.
Noch zwei weitere Bezugsquellen seien genannt: blog-materiel-medical.fr und Reha Team reha-team.fr 

Die Franzosen sind insgesamt teuer - nicht nur bei medizinischem Material, sondern z.B. auch die Lebensmittelsupermärkte oder elektronisches Gerät. Wer grenznah wohnt, tut gut daran, den größeren Teil etwa seiner Lebensmittel drüben in Deutschland zu erwerben, allerdings muss immer im Einzelfall verglichen werden: die meisten Produkte sind in Deutschland billiger, aber eben nicht alle, es gibt auch keine festen Regeln, welche Produktkategorien hier oder dort billiger wären.

Bei medizinischen Produkten lohnt es sich, vor dem Kauf auch noch einen deutschen Lieferanten wie Henry Schein https://henryschein-med.de einzusehen. Meistens ist er sogar deutlich billiger - das Problem ist die Lieferadresse, man muss, um von den günstigen Preisen zu profitieren, eine Liefeeeradresse in Deutschland haben. Henry Schein liefert über seine Exportabteilung auch nach Frankreich, das wird aber gleich erheblich teurer.
Naturgemäß lohnt sich eingehendes Vergleichen der Preise vor allem bei größeren Einkäufen, namentlich bei der Ersteinrichtung der Praxis; allerdings sind die Kosten für Praxismaterial und -einrichtung hier nicht so hoch; einschließlich Möbel und Compter  können 15 000 Euro sicherlich ausreichen. 

Praxismaterial Bruneau A 1 Die oben und unten gezeigten Händler haben Büromaterial -Schreibmaterial, Stempel, Briefumschläge, aber auch Büromöbel und selbst Computer, Drucker und deren Zubehör. Neben den gezeigten gibt es noch andere;

Office Dépot officedepot.fr   ist ausgerichtet auf die Bedürfnisse von Geschäftskunden, es kann aber jedermann dort einkaufen, sie haben in ganz Frankreich Geschäfte, so dass man sich vorher ansehen kann, was man kauft.

Außerdem gibt es auch noch Viking direct vikingdirect.fr 

Die Büromaterialhändler, insbesondere diejenigen, die zunächst für Geschäftskunden gedacht sind, zeichnen sich dadurch aus, dass Ihre Preise “HT” hors taxes = ohne TVA = Mehrwertsteuer 19.6%  sind ... also Vorsicht! Um als Geschäftskunde einkaufen zu können - was meistens günstigere Preise oder Konditionen bedeutet - müssen Sie Ihre “numéro SIRET” angeben, das SIRET- Register erfasst alle Unternehmen und Dienstleister, sie erhalten die Nummer, wenn Sie sich bei der URSSAF anmelden (die URSSAF ist die Behörde, an die Sie die Sozialabgaben zahlen).
Praxismaterial Maxi Buro A 1

Praxismaterial Thuasne B 2

Wir verschreiben ja nicht nur Medikamente, sondern auch Orthesen, Bandagen, Verbände aller Art. Zum Beispiel ist oft die beste - wenn nicht einzige - Therapie bei chronischen Rückenschmerzen ein Bauchgurt ceinture lombaire. Ähnlich für Luxationen im Fußgelenk, Karpaltunnelsyndrome Tennisellbogen ... um nur die häufigsten Anlässe anzugeben, bei denen ich entsprechendes Material verschreibe.

Die oben und unten angegebenen Hersteller sind die beiden französischen Marktführer in diesem Bereich. Man tut gut daran, ihre Kataloge anzufordern und in der Praxis liegen zu haben, und entsprechend nach Symptomatik und Patientenprofil die entsprechenden Produkte zu verschreiben, die Kataloge geben die genauen Indikationen an, z.B. gibt es ein gutes halbes Dutzend ceintures lombaires je nach Lage, deren jeweilige Spezifikationen kann man nicht auswendig wissen, nicht in der Allgemeinmedizin.

Praxismaterial Velpeau B 1

 

Bezug von Rezeptblöcken:

Der Text von Ärztlichen Rezepten muss vom Ordre des médecins des Département genehmigt sein: man sendet auf einem DIN-A4-Blatt den Text und der wird dann genehmigt bzw. gegebenenfalls korrigiert zurückgesandt, dauert einige Wochen. Anschießend kann man sich die Rezepte bestellen, ich gebe Ihnen 2 geläufige Anbieter an:  medivia.fr    http://actom.fr  Preisvergleich kann sich lohnen, insgesamt aber haben beide vergleichbare Preise.
Visitenkarten bezieht man am besten von vistaprint.fr

Man bekommt bei Medivia und Actom auch Stempel (sie müssen immer die numéro d’inscription à l’Ordre des médecins enthalten - teilt Ihnen die französische Ärztekammer nach erfolgter Anmeldung mit - sowie natürlich zumindest Name und Vorname und “Docteur” als Berufsbezeichnung, oder ausdrücklich “Spécialiste en médecine générale” oder eben “Rhumatologue” oder “Cardiologue” oder was auch immer, sie kann auch die numéro de RPPS = régistre partagé des professionnels de santé, die sich im Gegensatz zur numéro d’inscription à l’Ordre und der davon abgeleiteten numéro ADELI (Automatisation DEs LIstes) lebenslang nicht ändert.) und anderen Bürobedarf sowie das Praxisschild, das an der Hauswand Passanten über die Existenz und die Öffnungszeiten der Praxis informieren darf (Größe und Text sind normiert und müssen ebenfalls dem Ordre des médecins zur Genehmigung vorgelegt werden).

Man kann wählen zwischen “Ordonnance normale” und “Ordonnance sécurisée”, man erhält immer einen kleinen Anteil von “Ordonnances sécurisées”, die auf Spezialpapier mit Wasserzeichen und obligatem Durchschlag gedruckt sind und dem deutschen Betäubungsmittelrezept entsprechen - allerdings nicht SO scharf gesichert sind wie in Deutschland; die Sicherung geschieht, weil Sie neben Namen, Alter und Anschrift des Patienten auch die Apotheke angeben müssen, die das Medikament liefern soll.
Der größte Unterschied zu Deutschland ist, dass Sie auf EINEM Rezeptformular ALLES verordnen: Medikamente, Heilhilfsmittel (z.B. Verbände und Orthesen wie die in den Katalogen oben), häusliche Pflege, Physiotherapie, Laboruntersuchungen und wenn es sein muss, auch radiologische Untersuchungen (möglichst als Kurzbrief ... machen aber viele Kollegen nicht sondern schreiben nur “Bauchultraschall” oder “Röntgenaufnahme der Halswirbelsäule” (“échographie abdominale” oder “radiographie de la colonne cervicale”).