Informationen zum “Ärzteparadies Frankreich”

 Für Kollegen  in Deutschland:  eine Alternative

Für alle: Ideen zu einer Reform des Gesundheitswesens

 Ist etwas wichtiger als Freunde (pps) ?!?  Quoi de plus important que l’amitié (pps) ?!?

Wir werden ja im Studium überhaupt nicht auf diesen Teil unserer Berufstätigkeit vorbereitet: die Führung eines kleinen Unternehmens, was Buchführung und Sozialabgaben einschließt. Das muss sich jeder selber aneignen, wenn er sich eines Tages niederlässt - und damit dies in einem fremden Land nicht zum Drama gerät, seien  hier einige grundliegende Informationen zusammengestellt.

Zuerst das Ziel der Buchführung: soviele Ausgaben wie möglich als Frais professionnels = berufliche Ausgaben zu erfassen - dann zahlen Sie nämlich weniger Steuern und Sozialabgaben. Grob gerechnet, zahlen Sie für jeden Euro, den Sie als Frais professionnels absetzen, 50 Cent weniger Steuern und Sozialabgaben - das lohnt sich.
Ziel der Buchführung ist also nicht, das Finanzamt zufrieden zustellen - oder nicht mehr auszugeben, als man eingenommen hat. .

Daraus folgt, dass eine gute Buchführung Kenntnisse voraussetzt, was alles als berufliche Kosten aufgeführt werden kann und neben einer gewissen Disziplin und Genauigkeit   “technische” Kenntnisse, “wie” man “buchführt”. Ich erläutere Ihnen hier die genormte Buchhaltung, die in dem Moment verpflichtend ist, in dem das Nettoeinkommen mehr als 27000.- Euro im Jahr oder, bei Beginn während des Jahres, aufs Jahr hochgerechnet beträgt. Wenn Sie einer so genannten Association de gestion agréé AGA beitreten -was sehr zu empfehlen ist- müssen Sie diese genormte Buchhaltung auch dann einhalten, wenn Sie ein niedrigeres Nettoeinkommen haben.

Beginnen wir mit dem Teil “Einnahmen” = “Recettes” auf Französisch. Das Formular, in das Sie eintragen (es findet sich unten), hat zwei Teile: Partie financière (links) und Partie banquaire (rechts). Sie tragen jede Einnahme zweimal ein: in Partie financière und in Partie banquaire. Beide Teile müssen immer exakt gleich sein, sonst stimmt die Buchhaltung nicht. Die Partie banquaire muss genau dem Kontoauszug entsprechen - das ist übrigens die einzige Kontrollmöglichkeit, ob die Buchhaltung stimmt.

Das entsprechende Formular können Sie hier im Excel-Format herunterladen (15 KB). Es ist auch am unteren Seitenende zu sehen. Ich empfehle, es auszudrucken und neben Sie zu legen, wenn Sie das folgende durchlesen, aber Sie finden es ja auch unten auf dieser Seite.

Die drei Spalten links sind die Partie banquaire: Eingänge Entrées in Kasse Caisse, berufliches und privates Bankkonto. Normalerweise gehen natürlich berufliche Einnahmen direkt auf das berufliche Konto - aber es könnte ja mal z.B. durch einen Irrtum anders sein (Sie benötigen also unbedingt ein weiteres Girokonto neben ihrem privaten Girokonto. Das ist kein Problem, da hierzulande Girokonten gebührenfrei sind).

Die sechs Spalten rechts sind die Partie financière: Die Spalten von “Honoraires” bis “Virements internes”.

In der Mitte sind die Spalten “Date” und “Libellé”: Dort tragen Sie das Datum der jeweiligen Einnahme und eine erklärende Bezeichnung ein.

Konkret sieht das so aus: Sie haben eine Vertretung von einer Woche gemacht und am Ende der Woche 70% der eingenommenen Honorare von dem Kollegen, den Sie vertreten, erhalten. (Wichtig: wenn Sie eine Vertretung machen, gehen alle Einnahmen erst auf das Konto des Kollegen, den Sie vertreten - und er stellt Ihnen dann den Cheque über die Summe aus, die Ihnen zusteht). In diesem Falle nehmen wir an, dass die Woche recht ruhig war und Sie insgesamt 1600.- Euro eingenommen haben. Davon sind vielleicht -je nach Vertrag- 70% für Sie, also 0.7 * 1600 = 1120 Euro. Diese 1120 Euro erhalten Sie als Cheque. Sie bringen den Cheque auf die Bank - am selben Tag müssen Sie ihn in die Buchhaltung eintragen: Ganz links das Datum, an dem sie ihn auf die Bank gebracht haben. Wichtig zu wissen ist auch, dass ein Ihnen zustehendes Honorar erst dann buchhalterisch und vor allem steuerlich als “eingenommen” gilt, wenn Sie es auf die Bank gebracht haben - niemand hindert Sie beispielsweise, einen Cheque, den sie Anfang Dezember erhalten haben, erst im nächsten Jahr auf die Bank zu bringen, wenn Sie so z.B. vermeiden wollen, in eine höhere Steuerklasse zu rutschen.
Sie tragen also das Datum ein und daneben unter “Libellé” in etwa “Vertretung Dr. X” damit Sie später wissen, wo diese Einnahme herkommt. Danach tragen Sie die 1120.- Euro zweimal ein: einmal unter “Honoraires” -denn darum handelt es sich ja- und einmal unter “Entrée banque”. Die 1120.- Euro stehen damit zweimal da: einmal in der Partie financière, einmal in der Partie banquaire. Und damit sind Sie auch schon fertig - Sie können sich sicherlich vorstellen, dass es ein Niedergelassener schwieriger hat: er hat nicht EINE Einnahme pro Woche oder so, sondern pro Tag so viele Einnahmen, wie er Patienten hat - einige per Cheque, andere in bar und wieder andere per Kredikarte, wenn er ein entsprechendes Lesegerät hat (kostet eine jährliche Gebühr an die Bank). Und für wieder einige zahlt die Krankenkasse direkt: bei Schwangeren, bei Arbeitsunfällen und bei Sozialhilfeempfängern oder bei chronische Kranken, so man es will.

In dem Formular sind noch mehrere andere “Kategorien” von Einnahmen vorgegeben:

Neben “Honoraires” finden sich noch “Autres recettes: z.B. wenn ein Kollege Ihnen eine Entschädigung zahlen muss, weil er einen Vertrag über eine Vertretung mit Ihnen abgeschlossen hat, aber ihn dann hat platzen lassen.
“Produits financiers” sind z.B. Zinsen, die auf Ihrem beruflichen Bankkonto auflaufen - “Gains divers” erfasst alles andere.

Die Spalte “Apports personnels” erfasst Geld, das Sie aus Ihrem Privatvermögen in Ihr “Unternehmen” Praxisvertretung einschießen: üblicherweise werden Sie zu Beginn Ihres Lebens als Praxisvertreter und später als Niedergelassener eine ganze Menge Material kaufen müssen - Arzttasche, Blutdruckmessgeräte, ein paar Medikamente und was Sie noch so brauchen (sparen Sie hier nicht !).  Damit die Konten nicht ins Minus geraten, bringen Sie dafür zunächst selber Geld ein - und das tragen Sie unter “Apports personnels” ein.
“Virements internes” meint, wenn Sie Geld aus einem Konto der Partie banquaire aufs andere Konto überweisen: z.B. vom beruflichen Bankkonto in die Kasse. Dann tragen Sie die entsprechende Summe einmal bei “Virements internes” und einmal bei “Entrée caisse” ein. (Und natürlich tragen Sie sie im Teil “Dépenses” “Ausgaben” als Ausgabe vom beruflichem Bankkonto ein).

   
Echte Aufnahmen unseres Nachbarplaneten von der europäischen Raumsonde  Mars-Express, die seit 2003 den Mars umkreist, photographiert und  kartographiert.

Dass die technische Seite der Buchführung  ziemlich einfach ist, sehen Sie auch daran, dass ich Sie Ihnen hier auf ein paar Zeilen in den Grundzügen erklären kann. Der Teil “Ausgaben” “Dépenses” funktioniert genauso, enthält aber mehr Spalten, da die Ausgaben eben viel mehr verschiedene Dinge betreffen können, als die Einnahmen. Darum bespreche ich dies auf der  Seite Ausgaben.

Zum Steuersparen ... und zum Lernen empfiehlt es sich wie gesagt, einer “AGA” beizutreten. Das ist eine Association de gestion agréée, die Ihre Buchführung kontrolliert und darüber eine Bescheinigung ausstellt. Wenn Sie diese Bescheinigung mit der Steuerklärung einreichen, wurde Ihr steuerpflichtiges Einkommen bis 2006 grundsätzlich um 20% verringert, da das französische Finanzamt davon ausging, dass diese Kontrolle die Wahrscheinlichkeit von Unregelmäßigkeiten vermindert. (Wenn Ihr Einkommen 70 000.- Euro pro Jahr oder hochgerechnet auf das Jahr nicht überschreitet, gibt es Sonderregeln, die es Ihnen ermöglichen, ohne AGA auszukommen).
Seit 2007 wird Ihr Nettoeinkommen um 20% erhöht, wenn Sie keiner AGA angehören - so dass Sie auf ein (nicht-vorhandenes) 20% höheres Einkommen Steuern zahlen.

Um die Bescheinigung der AGA zu erhalten, müssen Sie eine seriöse Buchführung nach kaufmännischen Regeln führen (wie ich Ihnen hier erkläre)- nicht ganz so kompliziert wie die Buchhaltung richtiger Kaufleute, aber doch immerhin. Und als Niedergelassener müssen Sie das auch, ob Sie nun in einer AGA sind oder nicht - darum ist es sehr zu empfehlen, dies bereits in der Zeit als Vertreter zu erlernen: die Buchhaltung einer Praxisvertreters ist viel einfacher als die eines Niedergelassenen, da Sie wie gesagt als Vertreter üblicherweise nur einen Cheque pro Vertretung verbuchen müssen (den Sie von dem Kollegen, den Sie vertreten, erhalten), statt jeden Tag einen ganzen Haufen Cheques, Bargeld und andere Zahlungsarten. 

Richtig eintragen ist das eine - auch dabei kann man sich übrigens vertun. Die Kontrolle durch eine AGA zwingt Sie zu einer gewissen Disziplin und dem Einhalten der Regeln. Und Sie haben notfalls einen Ansprechpartner, an den Sie sich wenden können.

   

Was passiert, wenn ein Patient nicht zahlt oder zahlen will?  Kommt zum Glück praktisch nicht vor. Grundsätzlich ist die Sache klar: Sie haben einen Anspruch auf 70% des Honorares, das Ihnen von diesem Patienten zusteht - ob er zahlt oder nicht. Sie haben diesen Anspruch gegenüber dem Niedergelassenen, der muss Ihnen das Geld vorstrecken und später dann sehen, wie er zu seinen Kosten kommt. Wie gesagt, ich habe es so gut wie nie erlebt, dass ein Patient nicht zahlen wollte - aber es kommt recht oft vor, dass der Patient nicht zu zahlen braucht, da die Kasse direkt begleicht: bei Arbeitsunfällen, Schwangeren und bei Sozialhilfeempfängern. In diesem Fall ist diese Rechtslage wichtig: Sie brauchen also nicht zu warten, bis nach ein paar Monaten die Kasse mal gezahlt hat, um an Ihre 70% zu kommen, sondern da Sie Ihren Anspruch sowieso gegen den Niedergelassenen haben, tritt er normalerweise in Vorkasse. Das heißt, Sie lassen den Patienten, der nicht zu zahlen braucht, das entsprechende Feuille de soins entsprechende Muster finden sich auf dieser Seite) ausfüllen und unterschreiben, das dann an die Krankenkasse gesendet wird, übergeben dieses  dem Niedergelassenen und der zahlt Ihnen dann direkt die 70% der ausstehenden Summe (oder 60% oder 80% etc., je nachdem was Sie vereinbart haben). Ich habe es übrigens niemals erlebt, dass ich nicht meinen mir zustehenden Anteil der Praxiseinnahmen von dem Niedergelassenen  erhalte hätte.

Der Teil “Einnahmen” der Buchführung. Links 3 Spalten mit den verschiedenen Konten, auf die die jeweilige Einnahme verbucht wird: Kasse, Bankkonto, Privates Bankkonto. Rechts die “Art” der Einnahme: Patientenhonorare (“Honoraire”, andere Praxiseinnahmen (“Autre recettes” z.B. Honorare für Gutachten), Zinsen und Gewinne aus Geldanlagen (“Produites financies”), andere Einnahmen (“Gains divers, hier trägt man z.B. Pauschalen für Bereitschaftsdienste ein oder Honorare für Fortbildungen), “Apport personnels” sind eigene Mittel, die in die Praxis eingebracht werden, insebesondere zu Beginn einer Tätigkeit, wenn die Praxis noch defizitär ist und “Virements internes” sind Übertragungen von einem Konto zum anderen: Wird Geld aus der Kasse genommen und auf das Bankkonto eingezahlt, so steht die entsprechende Summe einmal im Abschnitt “Einnahmen” und im Abschnitt Ausgaben, jeweils im entsprechenden Konto: X Euro Einnahme auf der Bank als virement interne bzw. X Euro Ausgabe aus der Kasse als virement interne.

Mars Express A 1
Genaue Karten sind eine wichtige Vorraussetzung für die Besiedlung einer Region -
 das ist auf dem Mars nicht anders als auf der Erde: Die Europäische Raumsonde
Mars-Express kartiert seit 2003 unseren Nachbarplaneten aus dem Orbit.

Als Praxisvertreter tut man sehr gut daran, einer “AGA” beizutreten: wenn Sie das tun, wurde bis 2006 Ihr steuerpflichtiges Einkommen um einen Abschlag von 20% vermindert, dementsprechend zahlten Sie dann weniger Steuern. Die AGA kostet Sie im Jahr etwa 300.- Euro Beitrag, das ist weniger, als Sie an Steuern sparen. Seit 2007 gilt eine andere Regelung: Das Nettoeinkommen wird vom Fiskus um 20% erhöht - so dass Sie auf ein (nicht-vorhandenes) 20% höheres Einkommen Steuern zahlen. Als Mitglied einer AGA müssen Sie Ihre Buchführung auf “professionelle” Weise führen mehr - das ist übrigens eine gute Schule und hilft Ihnen insbesondere, alle Ausgaben und Einnahmen unter Kontrolle zu haben. Sie geben Ihre Steuerklärung mehr und ein Resumé Ihrer Buchführung an die AGA, die prüft das und liefert anschließend eine Bescheinigung, dass alles in Ordnung ist. 
Aus einer Infobroschüre des französischen Finanzministeriums - diese erklärt ein bisschen ausführlicher, was eine AGA ist und wozu sie dient. Für Sie als deutscher Kollege ist es wohl am praktischsten, der AGA beizutreten, die die drei an Deutschland grenzenden Départements betreut. Ihr Sitz ist in 67000 Strasbourg, 10 rue de Leicester und ihre Homepage ist http://aamedecins.fr/ . Lokal gibt es keine andere AGA (eine örtlich ansässige AGA hat auch den großen Vorteil, dass man einfach hingehen und bei Unklarheiten nachfragen kann) aber auf nationaler Ebene z.B. die AGAPGS (Association de Gestion Agréée des Professions de Santé) agaps.com mit Sitz -wie könnte es anders sein in Paris: 3, rue Kepler 75781 Paris cedex. Das Wort “cedex” und die auffallend “krumme” Postleitzahl bedeutet, dass der Träger dieser Adresse aufgrund seines hohen Posteingangs eine eigene Postleitzahl zugewiesen bekommen hat; alle größeren Unternehmen und selbst viele Ordres des médecins haben eine Cedex-Adresse meist noch zusätzlich mit Postfach “B.P. XYZ”( B.P. = Boîte Postale).
Das  Finanzministerium nimmt die “agrégation” der “AGA’s” vor und hat darum die komplette Liste - in der Brochüre unten sehen Sie die Adressen aller zugelassenen AGA’s. Vor  allem eine Information aus der Liste unten ist wichtig: AGA’s gibt es nicht wie Sand am mehr - aus der Liste ersehen Sie, dass es im gesamten Elsaß nur eine einzige AGA für Ärzte gibt, aber zwei für Zahnärzte und
wieder nur eine für
alle anderen freien Berufe.

AGA A 1

AGA B 1

 

 

 

Da die Bezahlung jedenfalls teilweise von den Krankenkassen direkt auf das Konto kommt, an dieser Stelle (unten) eine Liste aller französischen Krankenkassen. Die meisten Patienten - über 80% - sind bei der CPAM Caisse Primaire d’Assurance Maladie versichert (darum heißt sie ja auch “Caisse primaire”). Die CPAM ist der Ansprechpartner für alle Fragen im Umfeld der Abrechnung von Leistungen, die CPAM stellt die Formulare bereit, hat Angestellte, die in die Praxen kommen um uns zu beraten, hat eine Homepage auf der z.B. die Gebührenordnung einsehbar ist und vieles mehr. Es lohnt sich, die Website der CPAM zu studieren  ameli.fr  und zwar insbesondere den “Espace pro”, den Teil ihrer Website, der spezifisch für Heilberufe  und Heilhilfsberufe vorgesehen ist ameli.fr/professionnels-de-sante.php

Krankenkassen A 1

Entrées

Caisse

Entrées

Banque

Entrées

C. privé

Date

Libellé

Honoraires

Autres recettes

Produits financiers

Gains divers

Apports personnels

Virements internes