Informationen zum “Ärzteparadies Frankreich”

 Für Kollegen  in Deutschland:  eine Alternative

Für alle: Ideen zu einer Reform des Gesundheitswesens

 Ist etwas wichtiger als Freunde (pps) ?!?  Quoi de plus important que l’amitié (pps) ?!?

Das auf dieser Seite abgebildete Blatt werden Sie kennenlernen ... für jeden Patienten füllen Sie eines aus: entweder auf Papier oder, heutzutage normalerweise am Bildschirm ...

Sie müssen im Normalfall eintragen: Oben rechts das Datum der Ausstellung des Feuille de soins, dann “nom et prénom” Name und Vorname in der ersten Zeile. Den Rest füllt der Patient aus!

Im Abschnitt “Conditions de prise en charge” kreuzen Sie an bei “maladie” wenn der Patient “nur so” kommt, und wenn der Patient  an einer der 30 Krankheiten leidet, von der französischen Krankenkasse CPAM als “long et couteux” chronisch und kostspielig anerkannt sind UND für diesen Patienten ein entsprechender Antrag gestellt und anerkannt wurde UND die Konsultation wegen dieser Erkrankung erfolgt, dann kreuzen sie in der Zeile darunter „acte conforme au protocle ALD“ an (d.h. wenn der Patient z.B. Diabetes hat, ein Antrag auf Anerkennung des Diabetes als “affection longue durée ALD” gestellt und positiv beschieden wurde und der Patient wegen des Diabetes in die Sprechstunde kommt und nicht z.B. weil er sich an der Hand verletzt hat). In diesem Falle erstattet nämlich die CPAM 100% der Kosten für die Konsultation, andernfalls nur 70% (Innerfrankreich) bzw. 90% (Elsass und Moseldépartement). Wenn die Patientin nicht wegen einer Erkrankung konsultiert sondern wegen einer Schwangerschaft, machen Sie ein Kreuz bei “maternité” und füllen das entsprechende Datum von Schwangerschaftsbeginn bzw. Entbindung ein.

Wenn der Patient wegen eines AT Accident de travail = Arbeitsunfall oder einer MP Maladie professionnelle = Berufskrankheit konsultiert, kreuzen Sie dort an und füllen entsprechend entweder das Datum des Arbeitsunfalls bzw. der Anerkennung der Berufskrankheit aus ODER die jeweilige Nummer, die nach Anerkennung dem Patienten mitgeteilt wurde (eines von beiden genügt).

In diesen beiden Fällen -Schwangerschaft und Arbeitsunfall/Berufskrankheit- zahlt der Patient nicht, sondern Sie rechnen direkt mit der Kasse ab. Sie füllen dann alle Felder im obersten Abschnitt “personne recevant les soins“, d.h. seine Sozialversicherungsnummer, Geburtsdatum, Adresse etc., lassen den Patienten rechts unten unterschreiben (!) und schicken das Blatt an die CPAM, die Ihnen die Kosten überweist. Als Praxisvertreter schickt es der niedergelassene Kollege, den Sie vertreten, an Ihrer Stelle an die Kasse.

Sie schicken das so ausgefüllte Blatt auch dann an die Kasse, wenn der Patient aufgrund geringer eigener Einkünfte die “PUMA” Protection universelle maladie“ (früher: CMU Couverture universelle maladie) hat und nicht selber zu zahlen braucht. Dann kreuzen Sie ganz unten an “l’assuré(e) n’a pas payé la part obligatoire” und “l’assuré(e) n’a pas payé la part complémentaire”.

Weiter im Abschnitt “Conditions de prise en charge”: Sie müssen angeben, ob Sie der neue Hausarzt médecin traitant sind (wenn Sie es schon sind, füllen Sie hier gar nichts aus) bzw. ob der Patient Ihnen vom Hausarzt überwiesen wurde - betrifft vor allem Fachärzte - bzw. aus welchem Grunde er zu Ihnen kommt und nicht zu seinem normalen Hausarzt geht.

Seit 2005 müssen alle Franzosen mit dem 16. Geburtstag einen Allgemeinmediziner, Frauen- oder Kinderarzt als Hausarzt wählen. Sie können ihn jederzeit wechseln - dafür reicht ein einfaches Schreiben an die CPAM -, wenn Sie aber zu einem anderen Arzt als diesem Hausarzt gehen, müssen sie entweder eine Überweisung haben, oder einen besonderen Grund ... oder mehr zahlen, d.h. die Kasse erstattet einen geringeren Anteil der Kosten. Seit Ende 2016 dürfen auch Franzosen unter 16 Jahren einen Hausarzt haben (müsssen aber nicht), der Vorteil liegt dann auf der Seite des Arztes: man erhält eine Anzahl von Prämien in Abhängigkeit von der Anzahl der Patienten, für die man Hausarzt ist.

Unter “Actes effectués” tragen Sie mit Datum ein, was Sie berechnen: meistens einfach nur “G” wie Consultation, das sind 25.- Euro beim Allgemeinmediziner. Oder eben den entsprechenden Tarif, von dem ich Ihnen unter “Verdienst” hier einen “Vorgeschmack” zu geben versucht habe. Sie finden auf dieser Seite eine Anzahl von Feuille de soins ausgefüllt für die häufigsten Fälle - so wie Sie es dem Patienten mitgeben, sie sind Teil meines Ausbildungsprogrammes für meine (deutschen) Vertreter. Die unten abgebildeten Feuilles de soins sind Teil meines Ausbildungsprogrammes für Praxisvertreter und geben den Großteil der Situationen wieder, die in der täglichen Praxis vorkommen.

FdS A 1

Oben: Das “normale” Feuille de soins: in über 90% aller Situationen wird “G” für (consultation du) généraliste berechnet und das Feuille de soins wie oben ausgefüllt.
 

Unten: Ein Feuille de soins für eine Patientin, die eine schwere und chronische Erkrankung (ALD = affection longue durée) hat und deswegen konsultiert; in diesem Falle trägt die staatliche Krankenkasse 100% der Kosten. Um in den Genuss des ALD.Status zu kommen, muss der Hausarzt einen entsprechenden Antrag ausfüllen, schriftlich oder auf der Website der Krankenkassse. .

FdS F 1
FdS B 1

Unten Ein Feuille de soins für einen Patienten, der die PUMA (früher: CMU) hat und darum von jeder Vorauszahlung befreit ist, d.h. bei dem die Krankenkasse - wie bei einem ALD-Patienten - die Kosten vollständig übernimmt und direkt an den Arzt überweist. Zu beachten ist, dass in diesem Falle vom Arzt das Feuille de soins komplett wie angegeben auszufüllen ist, Name, Vorname sowieso, aber auch Sozialversicherungsnummer, Geburtsdatum und Adresse des Patienten, und die Nummer der Krankenkasse, bei der der Patient versichert ist (und an die das Feuille de soins vom Arzt zu schicken ist, wenn man es an die falsche Kasse schickt, bekommt man es zurück “Patient bei uns unbekannt”. Diese Schreiberei dauert, das verlängert die Konsultation ohne weiteres um 10%. Allerdings erstellt man auch ein solches Feuille de soins heute üblicherweise elektronisch und sendet es via Internet, d.h. mittels einer entsprechenden Schnittstelle in der Praxissoftware, an die Kasse.

FdS G 1

Unten: Nachts gelten andere - höhere - Tarife, nach 20:00 bis Mitternacht gibt es 35.- Euro mehr, zwischen Mitternacht und 6:00 morgens sogar 40.- Euro mehr. Zwischen 6:00 und 8:00 berechnet man denselben Tarif wie zwischen 20:00 und 0:00.

FdS E 1
FdS D 2
FdS C 1

Unten so sah  das Feuille de soins bis zum Sommer 2005 aus, d.h. vor der Einführung des “Hausarztes” = médecin traitant”.
Auch in Frankreich nimmt die Bürokratie zu ...
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FdS B 1 2004

Unten Von 2005 bis 2016 sah das Feuille de soins dann so aus:

FdS A 1 2005

Unten: Im Hausbesuch gelten wieder andere Tarife. Ein Erwachsener bzw. ein Kind über 6 Jahre zahlt 35 Euro (links), ein Kind unter 6 Jahre 40.- Euro (Mitte) und ab dem 3. Kilometer kommt die Kilometerpauschale hinzu (rechts): für jeden gefahrenen Kilometer gibt es in der Ebene 61.- Cent zusätzlich; die ersten beiden Kilometer werden abgezogen. Da nur ganze Kilometer gerechnet werden und man ja immer hin- und zurückfährt, ist die berechnete Kilometeranzahl immer gerade. Im Beispiel 8 km = der Arzt ist netto zu einem Patienten gefahren, der 5 km von seiner Praxis entfernt wohnt.

FdS I 1 FdS J 1
FdS H 1