Informationen zum “Ärzteparadies Frankreich”

 Für Kollegen  in Deutschland:  eine Alternative

Für alle: Ideen zu einer Reform des Gesundheitswesens

 Ist etwas wichtiger als Freunde (pps) ?!?  Quoi de plus important que l’amitié (pps) ?!?

 

Ein “Interne” ist kein “Internist”, sondern ein Assistenzarzt !

Er macht ungefähr dasselbe wie sein deutscher Kollege ... d.h. er arbeitet viel und bekommt wenig bezahlt. Allerdings haben sich die Arbeitsbedingungen in den letzten 15 Jahren gebessert und man muss auch unterscheiden zwischen “CHU” und “Hôpital périphérique” Universitätskrankenhaus und anderen Krankenhäusern.
Im CHU heißt es “schuften”: von morgens um 9:00 bis abends um 19:00, manchmal auch mehr, und wenigstens jeden zweiten Samstag Vormittag. Dazu noch Nachtdienst,  außerdem gelten die “Internes” als Studenten, und das bedeutet, sie haben eine Anzahl von Vorträgen zu halten und Hausarbeiten zu schreiben, allerdings keine Prüfungen mehr.
Besser lässt sich das in den Hôpitaux de périphérie an d.h. Nicht- Universitätskrankenhäusern. Meistens geht es hier wesentlich gemütlicher zu. Man hat Anrecht auf wenigstens einen freien Nachmittag pro Woche und darf normalerweise   nach einem Nachtdienst nach Hause gehen. Und man hat eine recht lange Mittagspause. Wenn man ein Zimmer im Internat hat, kann man ohne weiteres für 2 Stunden “verschwinden” und gegen 14:30 oder 15:00 wieder auf Station auftauchen, um die Neuaufnahmen zu sehen, sofern es welche gibt, was nicht jeden Tag der Fall sein muss. Die Patienten bleiben länger im Spital, da es den ganzen deutschen Unsinn von Fallpauschalen etc. nicht gibt und auch die Wartezeiten für technische Untersuchungen oder fachärztliche Konsultationen länger sind. Manchmal bleibt ein Patient nur deswegen eine Woche oder 10 Tage länger, weil der CT-Termin oder die Augenarztkonsultation nicht eher zu haben sind, und niemand regt sich darüber auf. Oder er bleibt länger, weil die ebenfalls betagte, aber noch “validere” Ehefrau, die ihn zu Hause versorgt, selber einige Tage hospitalisiert ist. All das macht das Arbeiten ruhiger - ziehen Sie immer ein Peripheriekrankenhaus Centre hospitalier général oder régional = CHG/CHR vor, zumindest am Anfang Ihrer Zeit in Frankreich ! Außerdem wird dort von den Internes nicht so viel erwartet: im CHG sind die Internes in der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner, sie durchlaufen also 6 Monate Gastroenterologie, Diabetologie (die französischen Stationen sind stärker spezialisiert als die deutschen) oder Pädiatrie oder Gynäkologie und die verantwortlichen Fachärzte wissen, dass es sich um “Anfänger”  im jeweiligen Fachgebiet handelt. Anders im CHU: hier sind alle Internes zukünftige Fachärzte, dementsprechend liegt die Latte höher.
 

Eine ganz andere berufliche Laufbahn für eine hoffnungsvolle Nachwuchsärztin
   


Für unser Gefühl ist es befremdend, dass ein Interne nicht als “Médecin” “Arzt” bezeichnet wird (obgleich ihn die entsprechenden Gesetzestexte bereits als solchen bezeichnen, mit dem Zusatz “in Ausbildung” “en formation”): die Krankenschwestern sagen beispielsweise zu einem neuen Patienten “der Interne wird Sie heute nachmittag untersuchen, der Médecin kommt dann morgen”.
Ein Interne darf nur unter Aufsicht und Verantwortung eines Médecin tätig sein, er hat z.B. nicht das Recht, auf eigenem Papier Rezepte auszufüllen oder eigenverantwortlich Todesbescheinigungen auszustellen. In der Realität verschreibt der Interne soviel er will auf dem Rezeptformular des Krankenhauses, und füllt auch einen Totenschein komplett aus: ehe der Médecin endlich kommt, ist der Verstorbene längst in der Leichenhalle Morgue und den Médecin muss man erst noch finden, der dort hinläuft, um eine weitere eigene Untersuchung vorzunehmen: er unterschreibt den vom Interne ausgefüllten Totenschein Certificat de décès, fertig.

Mens sana in corpore sano: Dr.med. Christine Theiss in Aktion
 
   
Die  Kollegin Theiss kam als Jugendliche mit ihren Eltern aus der damaligen Sowjetzone  nach München.
Heute moderiert sie Fernsehsendungen und schreibt Bücher zu Sport, Gesundheit und Ernährung, engagiert sie sich nebenbei im Bayerischen Roten Kreuz und ist glückliche Gattin eines CSU-Politikers.

Der Studentenstatus hat auch einige Vorteile: die Internes können weiterhin in der Mensa essen, reduzierte Eintrittspreise in Museen und sonst wo bekommen und in einer günstigen “Mutuelle” (Zusatzkrankenversicherung) sein, die nur für Studenten ist und daher günstige Tarife hat.


Anstellung als Interne

Um “richtiger” Interne zu sein, müssen Sie den Concours d’internat ablegen, was mit einem deutschen Studienabschluss praktisch nicht möglich ist mehr.
Es bleibt eine Anstellung als “FFI” Faisant fonction d’interne”. Alle 6 Monate “rotieren” in Frankreich die internes: zum 2. 5. und zum 2. 11. jeden Jahres (der 1. 11. ist Feiertag: Allerheiligen, der 1. 5. auch). In Belgien, wo das Weiterbildungssystem ähnlich ist, wird nur einmal jährlich rotiert. Im März bzw. September findet der “Choix des stages” statt, d.h. die Internes wählen, welche Stelle sie im nächsten Halbjahr einnehmen möchten. Es wählen zuerst die internes des obersten Jahrganges und so weiter, innerhalb des Jahrganges wird nach der Rangfolge im Concours gewählt. Erkundigen Sie sich, wann der jeweilige Choix des stages ist - am Tag darauf wissen die Personalverwaltungen Bureau du personnel oder spezifischer Bureau des internes welche Stellen freigeblieben sind! Je nach Krankenhaus bewerben Sie sich dann beim Bureau du personnel oder direkt bei den einzelnen Chefärzten, das sagt man Ihnen am Telephon wenn Sie wegen einer Anstellung als “FFI” nachfragen. Bewerbungsunterlagen: weniger als in Deutschland ... Lebenslauf, Lettre de motivation, das genügt, wenn Sie wollen, noch ein paar Zeugnisse, muss aber nicht sein. Die Stelle ist ja auch nur für 6 Monate und gerade in CHG’s haben Sie meist keine Konkurrenz. Ich habe meine beiden Stellen als FFI in Charleville-Mézières und Haguénau durch simplen Telephonanruf beim Chefarzt bekommen. Für meine erste Stelle in Straßburg hatte ich, wie man es mir in Deutschland beigebracht hatte, eine schöne Bewerbungsmappe erstellt und an insgesamt 30 Chefärzte in Straßburg und Colmar geschickt. Ich habe 8 Zusagen bekommen und daraufhin die Spielregeln begriffen: kein unnötiger Aufwand!
Wenn Sie die Zusage beim Chefarzt haben, rufen Sie noch einmal beim Bureau du personnel an und bitten um ein Zimmer im “Internat” im Ärztewohnheim mehr sofern Sie nicht vor Ort wohnen. Kostet nicht viel und fragen zugleich, was für Unterlagen Sie einreichen müssen für die Anstellung, das genügt.

 

La Fouine ... das ist Kampfsport !
    

 

Im Internat von Nantes:
La soirée des entonnoirs !
zu Deutsch ungefähr “Der Trichterabend

Internat R 1

Im Hôpital Saint Jacques in Nantes, wo ich meine letzte Anstellung hatte, veranstalteten die Assistenten (“Internes”) der Psychiatrie immer im Winter ein Fest, das sie “Soirée des entonnoirs” nannten ... wegen der mit Wunderkerzen und ähnlichem verzierten Trichter (entonnoir), die überall auftauchten.

Internat T 1

Zuerst gab es eine Theatervorführung...

Internat S 1
Internat X 1

mit Volkstänzen, etwas modernisiert ...
 

Danach einige Sketche

Internat U 1

Im Hôpital Saint Jacques sind fast nur psychiatrische Stationen, dement- sprechend sind fast alle hier abgebildeten Personen angehende Irrenärzte (sie tragen Kostüme; sie sehen nicht immer so aus).

Internat Q 1

Nach dem Essen (die Köchin des Internats machte freiwillig Überstunden) wurde die halbe Nacht getanzt.

Internat V 1

Internat W 1

 

Gelegentlich braucht mein Klub mich als Ringarzt
Ringarzt C 2