Informationen zum “Ärzteparadies Frankreich”

 Für Kollegen  in Deutschland:  eine Alternative

Für alle: Ideen zu einer Reform des Gesundheitswesens

 Ist etwas wichtiger als Freunde (pps) ?!?  Quoi de plus important que l’amitié (pps) ?!?

Auch in Frankreich gibt es natürlich Fachärzte und die Zahl der Fachgebiete ist ähnlich hoch wie in Deutschland.  Traditionell fällt vor allem die scharfe Zweiteilung zwischen Allgemeinmedizin auf der einen- und den Fachgebieten auf der anderen Seite auf.

Bis 2004 mussten die angehenden Ärzte nach dem Ende des 6. Studienjahres entscheiden, ob sie “nur” Allgemeinmediziner bleiben oder gar Facharzt werden wollen. Das “nur” ist nicht zu unterschätzen. Um Facharzt zu werden, musste man an einem landesweiten Auswahlverfahren (Concours de spécialité) teilnehmen, der ähnlich organisiert ist wie das Auswahlverfahren nach dem ersten Studienjahr. Alle Kandidaten legten die gleiche Prüfung ab und wurden in einer Rangliste klassifiziert. Wer bis 2004 an diesem Concours nicht teilnahm, wurde automatisch Allgemeinmediziner. Seitdem muss jeder daran teilnehmen – auch wenn man Allgemeinmediziner werden will.

Nach dem Studium Weiterbildung in Frankreich?

Facharztweiterbildung

Das Leben als Assistenzarzt in Frankreich:

Ärztewohnheim = “Internat”

Assistenzärzte = “Internes”

Der Beste kann aus allen freien Weiterbildungsstellen und -orten frei auswählen, der Zweite aus allen minus einer (diejenige, die der erste genommen hat), der Hundertste aus den, die die 99 vor ihm nicht genommen haben und so weiter, bis dann die Letzten nehmen müssen, was übrig ist. Es gibt etwa doppelt soviel Kandidaten für die Weiterbildung zu einem anderen Facharzt als Médecin généraliste wie Plätze, so dass der Druck  hoch ist, möglichst gut abzuschneiden, zumal man ja nicht nur irgendeinen Facharzt machen will, sondern den evtl. seit Jahren gewünschten. Wer will schon Hautarzt werden, wenn  ihn die Gynäkologie interessiert? Oder Radiologe statt Kinderarzt, zumal wenn er gar nicht visuell begabt ist bzw. kein “Händchen” für Kinder hat? Der Concours prüft ja nicht die für die jeweilige Weiterbildung spezifisch erforderlichen Fähigkeiten, und das ist sicherlich   kontraproduktiv. Die  Franzosen nehmen oft ein ganzes zusätzliches Jahr Studium auf sich, um sich anhand von Altfragensammlungen auf diese Auswahlprüfung vorzubereiten - es werden nämlich alle Fächer abgefragt, ähnlich wie im deutschen „Hammerexamen“ bzw. im früheren 2. Staatsexamen. Das begünstigt diejenigen, die wohlhabende Eltern haben, und es sich leisten können, ein Jahr ‘dranzuhängen. (Das eigentliche Ziel dieses “Concours” - wie es ihn in vielen Bereichen des französischen Lebens gibt - war einmal, Objektivität und Chancengleichheit herzustellen). Ich habe übrigens noch nicht  einen französischen Kollegen kennen gelernt, der dieses System gut findet, obwohl ich oft und oft entsprechende Fragen gestellt habe – weil ich einfach so perplex war, dass es so etwas gibt.

   

Seit 2005 ist nun  die Allgemeinmedizin auch als “Facharzt” anerkannt - und das ist paradoxerweise zunächst einmal ein Nachteil für die angehenden Allgemeinmediziner: sie müssen nämlich jetzt auch für den Concours pauken. Wie gesagt, der Concours prüft „allgemeines“ medizinische Fähigkeiten und Fertigkeiten ab, nicht das, was man für eine konkrete Weiterbildung braucht. Es gibt zwar genug Stellen für Allgemeinmediziner, aber bisher blieb man in der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner in der Gegend, in der man auch studiert hatte - das ist seitdem anders. Die Besten können sich den Ort frei auswählen, die Nachfolgenden wählen unter dem, was diese übrig gelassen haben. Da kann es passieren, dass man hunderte Kilometer weit weggeschickt wird. Und um das zu verhindern ...  heißt es pauken.

Der zweite wichtige Unterschied zu Deutschland, besser gesagt zum „deutschsprachigen“ oder „germanophonen“  System (das ja auch im glücklichen Österreich und der freien Schweiz gilt): die Facharztweiterbildung gilt als ein Teil des Studiums (“Troisième cycle”) und der Assistenzarzt (“Interne”) ist rechtlich noch Student und NICHT ein Arzt. Ein “Interne” ist etwas mehr als ein früherer deutscher AiP -besonders gegen Ende der Weiterbildung- und etwas weniger als ein deutscher Assistenzarzt. Ein “Interne” ist nicht in der Ärztekammer Mitglied, darf keine eigenen Rezepte ausstellen und nur unter Aufsicht und Verantwortung eines approbierten Arztes arbeiten. Ansonsten sind die Aufgaben und Verantwortlichkeiten ungefähr dieselben ... nur die Rechte des französischen “Interne”, besonders des an einer Uniklinik tätigen, sind noch bescheidener. “Interne” wird NICHT mit “Internist” übersetzt. Es gibt einen Interne de cardiologie, Interne de dermatologie, Interne de chirurgie und auch einen Interne de radiologie etc, sogar einen Interne de pharmacie (ein angehender Apotheker, d.h. jemand, der Pharmacie studiert hat). Interne heißt auf deutsch Assistenzarzt, mit der obigen Einschränkung).

Der größte Vorteil dieses Systems ist, dass nach bestandenem Concours am Ende des ersten Studienjahres die gesamte weitere Ausbildung gesichert ist: man wird nicht als halbausgebildeter -und damit nutzloser- Mediziner aus der Universität entlassen, sondern beendet das Studium mit einer arbeitsmarktfähigen Qualifikation, und das obendrein noch recht jung. Französische Allgemeinmediziner können mit 26 Jahren fertig sein und sich niederlassen - und sie verstehen sich auf ihr Fachgebiet, da sie nicht soviel Ballast lernen müssen, der für die tägliche Praxis unwichtig ist, z.B.  Rektoskopien oder Langzeit-EKGs. Das ist nicht zu unterschätzen.

Entdeckung einer neuen Welt für die Menschheit: Der Rover Curiosity startete am 25. 11. 2011 zum Mars.

   

 

Der größte Nachteil dieses Systems ist nach meiner Meinung, dass die Fachgebiete so kleingehalten werden müssen, dass sie in 4- 5 Jahren erlernt werden können: Darüber hinaus ist wirklich niemanden mehr der Interne- und damit Studentenstatus zuzumuten. Und -auch ein  gravierender Nachteil- es ist praktisch unmöglich, einen zweiten Facharzt zu machen. Wie viele deutsche Chefärzte gibt es, die Facharzt für Neurologie und Psychiatrie sind. Oder Arzt für Innere Medizin und Kardiologie. Die Franzosen sind da wesentlich enggleisiger. Und wer einmal Allgemeinmediziner ist, bleibt es auch, er hat kaum eine realistische Möglichkeit, noch Facharzt zu werden (es gibt “Brücken” “Passerelles” zwischen der Allgemeinmedizin und einigen wenigen Fachgebieten, namentlich der Psychiatrie und der Arbeitsmedizin, aber die dauern jahrelang, hängen von günstigen Zufällen ab und sind mit bürokratischen Hindernissen gespickt).

Wenn  oben von “nur” Allgemeinmediziner gesprochen wird, so hat das seinen Grund ... ursprünglich - noch bis Anfang der 70er Jahre - war man nach den 6 Jahren Studium Allgemeinmediziner, für die praktische Ausbildung hatte die Zeit als “Externe” d.h. die Stationspraktika an den Vormittagen gesorgt. Wer weiterkommen wollte, suchte sich einen Job als “Interne”, der zu Anfang von den Grands Professeurs nach eigenem Dafürhalten vergeben wurde. Ein Interne war damals eine Art Volontärsarzt, der gegen Kost und Logis im Ärztewohnheim “Internat” gratis schuftete. Um diesem Übel zu steuern, wurde der Concours d’internat eingeführt und zugleich eine Assistenzarztzeit für angehende Allgemeinmediziner, die “Résidanat” genannt wurde und jedem automatisch offenstand, der alle Prüfungen bis einschließlich des 6. Studienjahres geschafft hatte. Natürlich standen die “Internes de spécialité” hoch über den “Résidants”. Die Ausbildung der Internes fand und findet nur an Unikliniken statt, die Résidants dagegen sind an den übrigen staatlichen Krankenhäusern. Seit den 1990er Jahren verbringen auch die Résidants ein halbes Jahr an einem Unikrankenhaus, meist in der Notfallaufnahme, wo ihre allgemeine Kompetenz sehr geschätzt wird. Noch 1998 durften die Résidants während ihres halben Jahres am Universitätskrankenhaus Straßburg nicht in der Ärztekantine essen, sondern hatten nur Zutritt zur Kantine der Krankenschwestern. Das lag ganz auf der Linie “die Klugen werden Facharzt, die Dummen bleiben Allgemeinmediziner”. Mittlerweile wandeln sich aber die Mentalitäten, auch parallel zu der ständigen Verlängerung der Ausbildungszeit der “Résidants” und, vor allem, zur Erhebung der Allgemeinmedizin in den Rang eines Fachgebietes (“Spécialité”). Bis 1998 dauerte das   Résidanat 2 Jahre, dann  2 1/2    und mittlerweile sind es 3 Jahre. Und wie gesagt ist seit 2005  auch der Concours für alle verbindlich, d.h. alle Studenten müssen nach dem 6. Studienjahr diesen ablegen und die Stellen für die Weiterbildung in Allgemeinmedizin werden auch nach dem Concours vergeben ... weil der Allgemeinmediziner auch ein “Facharzt” geworden ist. Und es ist wie gesagt nicht überflüssig, sich anzustrengen – denn nur dann kann man sich nicht nur das Fachgebiet, sondern auch den Ort der Weiterbildung aussuchen. Sicher bleiben immer genug Stellen in der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner. Aber nicht unbedingt da, wo man möchte. Da findet sich eine Jungärztin aus Straßburg ganz rasch in Lille oder Limoges wieder, oder wo sonst eben keiner hinwill. Bzw. wenn sie  aus familiärem oder anderem wichtigem Grund unbedingt in Straßburg bleiben oder nach Marseille oder Bordeaux muss, gibt es dazu keine andere Möglichkeit, als entsprechend gut abzuschneiden. Wenn eine sozialistische Mentalität - im Gegensatz zu einer freiheitlichen oder liberalen Grundhaltung - staatliche Reglementierung, Bevormundung und Entmündigung bedeutet, so ist dieses System ein Paradebeispiel für den politischen Einfluss der in Frankreich seit den 1920er Jahren wesentlich tonangebenden sozialistischen und kommunistischen Parteien. Dass in Frankreich das politische Spektrum insgesamt  „linksverschoben“ ist, sieht man z.B. daran, dass auch die als politische „Rechte“ bezeichneten Politiker wie Ex-Président Sarkozy und seine Partei UMP nichts daran ändern wollen, so sehr wird das als normal empfunden. Bis in die 1970er Jahre gab es eine moskauhörige –   moskauhörige – kommunistische Partei in Frankreich, die um die 15% der Stimmen bekam (also nicht wie die DKP zu Mauerzeiten um 0.5%).

Die Weltraumforschung bringt immer einen erheblichen “Payback” für das Leben auf der Erde, die gewonnenen Erkenntnisse, aber auch die neu entwickelten Technologien: Zum Beispiel neue Methoden des Lastentransportes in unwegsamen, nicht von Straßen erschlossenem Gelände, nicht nur für militärische Anwendungen.

   

 

 

Die französischen Facharztgebiete:

DES de médecine (“nichtoperative Fachgebiete”)

Génétique médicale
Anatomie et cytologie pathologiques
Anesthésie- réanimation
Biologie médicale      (Laboratoriumsmedizin)
Dermatologie médicale
Endocrinologie médicale
Dermatologie et vénéréologie
Endocrinologie et métabolismes
Gastro-entérologie et hépatologie
Hématologie
Médecine générale
Médecine interne (nicht direkt vergleichbar dem deutschen “Allgemeininternisten”)
Médecine nucléaire
Médecine du travail
Néphrologie
Neurologie
Oncologie option médicale
Oncologie option radiothérapie
Pathologie cardio- vasculaire
Pédiatrie
Psychiatrie
Pneumologie
Radiodiagnostic et imagerie médicale
Médecine physique et réadaptation
Rhumatologie
Santé publique et médecine sociale

DES de chirurgie (“operative Fachgebiete”)

Chirurgie générale
Chirurgie infantile
Chirurgie maxillo- faciale et stomatologie
Chirurgie orthopédique et traumatologie
Chirurgie plastique, reconstructrice et esthétique
Chirurgie thoracique et cardio- vasculaire
Chirurgie urologique
Chirurgie vasculaire
Chirurgie viscérale
Gynécologie obstétrique et gynécologie médicale
Neurochirurgie
Ophtalmologie
Oto-Rhino-Laryngologie et chirurgie cervico- faciale
Stomatologie
 

DES heißt “diplôme des études spécialisées”; bis 2005 stand dies im Gegensatz zur Allgemeinmedizin, die nicht als “DES” galt und keinen Facharztstatus besaß. Seitdem ist die Allgemeinmedizin auch ein Fachgebiet.

 

Nach dem Studium Weiterbildung in Frankreich?
Facharztweiterbildung

Das Leben als Assistenzarzt in Frankreich:
Ärztewohnheim = “Internat”
Assistenzärzte = “Internes”

Curiosity B 3a

Die Raumsonde Curiosity landete am 6. 8. 2012 im Krater Gale auf dem Mars.

Seitdem erforscht sie eine neue Welt für die Menschheit.

Mars Curiosity A 1
Bundesarchiv_Bild_101I-140-1220-17A,_Russland-Mitte,_PKW_im_Schlamm 2

Radgetriebene Fahrzeuge kommen in schwierigem Gelände  nicht mehr vorwärts - sei es im Schlamm in Russland oder in manchen Steinwüsten des Mars, wie  hier an der Landestelle der Marssonde Pathfinder 1998

Mars H 1

Das Forschungszentrum Informatik FZI in Karlsruhe entwickelte darum den Laufroboter Lauron IV, der sich autonom seinen Weg sucht.

   

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR in Köln veranstaltet  Wettbewerbe von Prototypen für selbstlenkende Erkundungsroboter. Wie der Lauron IV erkennen sie selber ihren Weg, sie sind nicht ferngesteuert.